Die Eisbachwelle im Englischen Garten kehrt zurück – vorerst. Nach monatelanger Sperrung dürfen Surfer seit Dienstag wieder auf Münchens berühmtester stehender Welle reiten. Doch der Jubel hält sich in Grenzen. Die Stadt hat strenge Auflagen erlassen: Nur noch 10 Surfer gleichzeitig und maximal 100 pro Tag dürfen ins Wasser. Eine neue Regelung, die bei den rund 5.000 aktiven Surfern der Stadt für Unmut sorgt.
«So kann das auf Dauer nicht funktionieren», sagt Niklas Maier vom Verein «Interessensgemeinschaft Eisbachwelle». Er steht barfuß am Ufer, sein Brett unter dem Arm. Als Reporterin habe ich über Jahre beobachtet, wie die Welle zur Touristenattraktion wurde – jährlich kommen rund eine Million Schaulustige. Heute stehen sie noch dichter gedrängt auf der Brücke.
Die Beschränkungen kamen nach einem Gutachten, das Sicherheitsrisiken festgestellt hatte. Die Stadt will nun ein Konzept erarbeiten. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden verspricht: «Wir suchen nach einer Dauerlösung, die allen gerecht wird.»
Die Surfer befürchten jedoch eine schleichende Verdrängung. «Niemand möchte die Verantwortung übernehmen», erklärt Umweltexperte Professor Huber von der TU München. Das Problem: Rechtlich surft jeder auf eigene Gefahr, doch wer haftet bei Unfällen?
In Hamburg haben wir ähnliche Konflikte um öffentlichen Raum. Was mich an der Münchner Situation beeindruckt: Die Eisbachwelle ist längst mehr als ein Sportplatz – sie ist Teil der Stadtidentität geworden. Die Frage bleibt: Wie viel Eigenverantwortung erlauben wir uns noch in durchregulierten Zeiten?