Die Narren übernehmen wieder das Kommando in der bayerischen Landeshauptstadt. Am kommenden Dienstag beginnt mit dem traditionellen Tanz der Marktweiber auf dem Viktualienmarkt der Höhepunkt der Faschingssaison in München. Ab 10 Uhr werden die farbenfrohen Damen des Marktes ihre Besucher mit Tänzen, frechen Sprüchen und dem einen oder anderen Bussi überraschen.
«Die Menschen sehnen sich nach Frohsinn und Leichtigkeit», erklärt Marktsprecher Hans Meier. Nach Schätzungen werden rund 15.000 Faschingsbegeisterte erwartet – deutlich mehr als im Vorjahr, als der Regen viele abhielt.
Wer es ausgelassener mag, findet sein Glück auf dem Marienplatz, wo der Tanz der Faschingsgesellschaften stattfindet. Von den «Würmesia Narrhalla» bis zu den «Feringa Flinken» zeigen über 20 Gruppen ihre kunstvollen Choreografien. Besonders beliebt ist das «Münchner Kindl» der Gesellschaft «Narrhalla», das traditionell den Oberbürgermeister zum Tanz auffordert.
Seit fast 20 Jahren beobachte ich das närrische Treiben in München, und eines fällt auf: Die jüngere Generation entdeckt die alten Traditionen neu für sich. «Wir hatten noch nie so viele Anfragen von Studierenden», bestätigt Caroline Wittmann vom Faschingsverein «Die lustigen Paulaner».
Für Familien bietet der Alte Botanische Garten einen Kinderfasching mit Puppentheater und Zauberer. In den Stadtteilen finden kleinere Umzüge statt, besonders sehenswert ist der Gaudiwurm in Schwabing am Sonntag.
Doch bei aller Ausgelassenheit: Fasching ist mehr als nur Party. Er ist ein Stück bayerischer Kulturgeschichte, ein Ventil für gesellschaftliche Spannungen und eine Gelegenheit zum Zusammenkommen. Wenn am Aschermittwoch alles vorbei ist, bleibt die Erinnerung an eine Zeit, in der für kurze Momente die Alltagssorgen vergessen werden durften.