Die FDP in Baden-Württemberg steht vor einer existenziellen Herausforderung. Der Landesverband bereitet sich auf die Landtagswahl 2026 vor, die Landesvorsitzender Michael Theurer als «Mutter aller Wahlen» bezeichnet. Nach dem Austritt aus der Ampel-Koalition in Berlin und dramatischen Umfragewerten von nur 3 Prozent im Land ist die Stimmung angespannt, aber kämpferisch.
Als ich gestern den Landesparteitag in Karlsruhe besuchte, spürte man die Entschlossenheit der 400 Delegierten. «Unser Ziel ist es, wieder zweistellig zu werden», verkündete Theurer unter Applaus. Ein ambitioniertes Vorhaben – die Liberalen erreichten 2021 gerade einmal 10,5 Prozent und schrammten 2016 mit 8,3 Prozent an der Regierungsbeteiligung vorbei.
Finanzminister Christian Lindner, sichtlich erschöpft aber kämpferisch, verteidigte den Ampel-Ausstieg: «Wir haben die Notbremse gezogen, weil Deutschland auf dem falschen Weg war.» Der Beifall im Saal zeigte, dass die Basis hinter dieser Entscheidung steht. Doch die Herausforderungen bleiben gewaltig.
Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke, seit 16 Jahren im Landtag, warnte vor Selbstzufriedenheit: «Wir müssen die Menschen mit unseren liberalen Ideen wieder erreichen.» Die Partei will nun verstärkt auf Wirtschaftskompetenz und Bildungspolitik setzen – Themen, die in Baden-Württemberg traditionell verfangen.
Was mich besonders beeindruckte: Trotz der Krise gibt es keinen Defätismus. «Wir haben schon härtere Zeiten überstanden», sagte mir ein Kommunalpolitiker aus dem Schwarzwald. Die FDP steht vor einer Zerreißprobe, aber die badisch-schwäbische Beharrlichkeit könnte ihr Überleben sichern. Die Frage bleibt: Findet die Partei rechtzeitig zur alten Stärke zurück?