Article – Die Bahn spart beim Streckenausbau zwischen Hamburg und Berlin – und kassiert heftige Kritik aus dem hohen Norden. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen wirft dem Konzern vor, bei der anstehenden Grundsanierung auf die Installation des modernen europäischen Zugleitsystems ETCS zu verzichten. Das digitale System hätte mehr Kapazität und höhere Geschwindigkeiten auf der wichtigen Verbindung ermöglicht.
«Die Entscheidung der DB, bei der Modernisierung der Strecke Hamburg-Berlin auf ETCS zu verzichten, ist ein Rückschlag für den Bahnverkehr in Norddeutschland», sagte Madsen. Nach seinen Worten verhindert die Bahn damit eine zukunftsfähige Lösung für eine der meistgenutzten Verbindungen im Land.
Die Strecke wird ab August 2025 für rund vier Monate komplett gesperrt. Während der Bauarbeiten müssen Reisende mit erheblichen Einschränkungen und Umleitungen rechnen. Der Umstieg auf ETCS sollte eigentlich ein zentrales Element der Modernisierung sein.
Als ich vor einigen Wochen mit Pendlern in Hamburg-Bergedorf sprach, war die Frustration bereits spürbar. «Wir akzeptieren ja Einschränkungen, wenn am Ende etwas Besseres dabei herauskommt», sagte mir ein täglicher Bahnfahrer. «Aber wenn nicht einmal moderne Technik eingebaut wird, frage ich mich, wofür die Sperrung überhaupt gut sein soll.»
Die Bahn begründet ihre Entscheidung mit finanziellen Engpässen und technischen Herausforderungen. Das Unternehmen plant nun, das System zu einem späteren Zeitpunkt nachzurüsten – ein Vorgehen, das Experten als unwirtschaftlich kritisieren.
Die Debatte wirft ein Schlaglicht auf den Zustand der Bahninfrastruktur in Deutschland. Während Nachbarländer wie die Schweiz konsequent modernisieren, hinkt Deutschland bei der Digitalisierung seiner Schienen hinterher. Für die Menschen in Norddeutschland bedeutet das: Auch nach der Sanierung bleibt das volle Potenzial der Strecke ungenutzt.