Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen, der ab 2026 schrittweise eingeführt werden soll, stellt viele Schulen in NRW vor massive Probleme. Eine aktuelle Umfrage der Schulleitungsvereinigung NRW zeigt: Knapp 80 Prozent der befragten Grundschulleitungen sehen erhebliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Besonders alarmierend: Fast die Hälfte hält es für «sehr unwahrscheinlich», die Anforderungen fristgerecht erfüllen zu können.
Die Gründe für die Skepsis sind vielfältig. «Uns fehlen schlicht die Räume und das Personal», erklärt Birgit Schmidt, Leiterin einer Grundschule in Dortmund. Während meiner Recherchen in verschiedenen Kommunen höre ich immer wieder ähnliche Klagen. In Köln berichtete mir ein Schulleiter von Betreuungsräumen, die eigentlich als Klassenzimmer gebraucht würden.
Besonders dramatisch ist die Personalsituation. Etwa 70 Prozent der Schulen können offene Stellen im Ganztag nicht besetzen. Die Arbeitsbedingungen seien unattraktiv, die Bezahlung zu niedrig. «Wir konkurrieren mit dem freien Markt, können aber nicht mithalten», so ein Schulleiter aus dem Münsterland.
Auch die Finanzierung bereitet Sorgen. Viele Kommunen fühlen sich vom Land alleingelassen. In Hamburg habe ich beobachtet, wie eine bessere Kooperation zwischen Land und Kommunen den Ausbau beschleunigen konnte. In NRW dagegen stockt es.
Die Landesregierung steht nun unter Druck. Schulministerin Dorothee Feller hat Unterstützung zugesagt, aber konkrete Maßnahmen fehlen bislang. Die Zeit drängt. Wenn Familien ab 2026 ihren Anspruch nicht einlösen können, droht ein Vertrauensverlust in unser Bildungssystem – und das können wir uns nicht leisten.