Am Frankfurter Hauptbahnhof versammelten sich gestern über hundert Menschen, um des getöteten Zugbegleiters zu gedenken, der vergangene Woche im ICE Opfer einer Messerattacke wurde. Zwischen Gleis 9 und 10 legten Kollegen, Freunde und Bürger Blumen und Kerzen nieder. Der 27-jährige Bahnmitarbeiter war bei einer Fahrscheinkontrolle im ICE zwischen Karlsruhe und Frankfurt tödlich verletzt worden.
«Er war immer hilfsbereit und hat seinen Job geliebt«, erinnert sich eine Kollegin mit Tränen in den Augen. Wie so viele trägt sie die rote Bahn-Uniform, an der heute schwarze Trauerbänder befestigt sind. Die Betroffenheit unter den Bahnmitarbeitern ist greifbar. Nach meiner Beobachtung sind es vor allem die Zugbegleiter, die besonders erschüttert wirken – sie stehen täglich an vorderster Front im Kundenkontakt.
Die Deutsche Bahn hat inzwischen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. «Wir müssen unsere Mitarbeiter besser schützen«, erklärt ein Bahnsprecher vor Ort. Die Gewerkschaft EVG fordert mehr Doppelstreifen bei Kontrollen und bessere Notrufsysteme. Ein Problem, das ich seit Jahren in meiner Berichterstattung beobachte: Die Zahl der Übergriffe auf Bahnpersonal steigt kontinuierlich.
Neben den offiziellen Stimmen sind es vor allem die leisen Gespräche unter den Anwesenden, die berühren. Ein älterer Herr aus Darmstadt ist extra angereist: «Ich fahre seit 40 Jahren Bahn. Diese Menschen sorgen dafür, dass wir sicher ankommen. Sie haben so etwas nicht verdient.«
Was bleibt, sind Fragen nach dem Warum und wie solche Taten künftig verhindert werden können. Die Trauernden am Gleis eint heute ein Gedanke: Dass der Tod dieses jungen Mannes nicht folgenlos bleiben darf – weder für die Sicherheitskonzepte im öffentlichen Verkehr noch für unseren gesellschaftlichen Umgang miteinander.