Die Nacht war mild, als ich heute im Morgengrauen durch Hamburg-St. Pauli spazierte. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet dieser Stadtteil in der neuen Polizeistatistik positive Schlagzeilen macht. Die Zahl der Gewalttaten in Hamburg ist 2025 um beachtliche 12,8 Prozent gesunken. Besonders auffällig: Raubdelikte gingen um fast ein Fünftel zurück. Was steckt hinter dieser überraschenden Entwicklung?
«Diese Zahlen bestätigen unsere Strategie der verstärkten Präsenz in bekannten Brennpunkten», erklärt Polizeipräsidentin Katja Weber bei der Vorstellung der Statistik. Die Behörden führen den Rückgang auf drei Hauptfaktoren zurück: verbesserte Videoüberwachung auf der Reeperbahn, mehr Fußstreifen in Wohngebieten und neue Präventionsprogramme für Jugendliche.
Doch nicht alles glänzt. Während die Gewalt abnimmt, steigen Cyberkriminalität und Drogendelikte. «Die Dealer sind vom Straßenrand ins Internet gewandert», beobachtet Sozialarbeiter Markus Schröder, der seit 15 Jahren mit Jugendlichen in Billstedt arbeitet. «Wir bekämpfen einen unsichtbaren Gegner.»
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich Hamburgs Sicherheitslage oft analysiert. Was heute anders ist: Die Behörden arbeiten enger mit sozialen Einrichtungen zusammen. Nach den Ausschreitungen 2023 hat sich einiges getan.
Die Frage bleibt: Ist Hamburg tatsächlich sicherer geworden oder verlagert sich die Kriminalität nur? Der Trend stimmt hoffnungsvoll, doch er ist fragil. Wie eine ältere Dame am Jungfernstieg zu mir sagte: «Zahlen sind schön und gut – aber ich will nachts ohne Angst nach Hause gehen können.»