Bei einer umstrittenen Anti-Polizei-Demonstration in Berlin-Friedrichshain wurden am Samstagabend mindestens 35 Personen festgenommen. Acht Beamte erlitten Verletzungen, als Protestierende Steine und Flaschen warfen. Laut Polizeiangaben nahmen etwa 1.200 Menschen an dem Protest unter dem Motto «Niemand muss Bulle sein» teil.
Die angespannte Stimmung im Kiez war schon Tage vorher spürbar. Als Journalistin, die regelmäßig aus der Hauptstadt berichtet, konnte ich beobachten, wie sich die Fronten zwischen linksautonomer Szene und Polizei weiter verhärteten. Die Demo begann gegen 21:30 Uhr am Frankfurter Tor, eskalierte aber schnell. Demonstranten zündeten Pyrotechnik, beschädigten parkende Autos und bewarfen Einsatzkräfte mit Gegenständen.
«Die Polizei wurde gezielt angegriffen», erklärte ein Polizeisprecher am Sonntag. Besonders brenzlig wurde es an der Rigaer Straße, seit Jahren Symbolort der linksextremen Szene Berlins. Anwohner Marcel K. berichtet: «Es war wie ein Kriegsgebiet, überall Blaulicht und Rauch.»
Ein Großaufgebot von Hundertschaften und Spezialeinheiten beendete die Demonstration schließlich gegen Mitternacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung.
Der Konflikt zwischen autonomer Szene und Ordnungskräften schwelt in Berlin seit Jahrzehnten. Doch die zunehmende Gewaltbereitschaft beunruhigt selbst alte Kiezbewohner. «Früher ging es um politische Inhalte», sagt eine langjährige Anwohnerin, «heute scheint es nur noch um Konfrontation zu gehen.» Die Frage bleibt: Wie findet eine Stadt zum Dialog zurück, wenn Worte durch Steine ersetzt werden?