Die Notaufnahmen in Berlin arbeiten seit Dienstag am Anschlag. Glatteis verwandelte die Hauptstadt in eine gefährliche Rutschbahn – mit dramatischen Folgen. Allein die Charité meldete über 500 Patientinnen und Patienten mit Glatteisunfällen in ihren drei Notaufnahmen. «So viele Knochenbrüche an einem Tag habe ich in meinen 15 Jahren hier noch nicht erlebt», sagt Dr. Martin Weber, Leiter der Unfallchirurgie am Virchow-Klinikum.
Die Berliner Feuerwehr rückte zu über 300 Einsätzen aus. Besonders betroffen: ältere Menschen und Radfahrer. In mehreren Kliniken mussten sogar Wartezonen in den Fluren eingerichtet werden. Die meisten Verletzungen: gebrochene Handgelenke, Knöchel und Hüften. «Wir sortieren nach Dringlichkeit, nicht nach Reihenfolge», erklärt eine Schwester am Unfallkrankenhaus Berlin.
Als ich gestern Abend am DRK Klinikum Westend vorbeikam, standen die Rettungswagen Schlange. Drinnen Menschen mit schmerzverzerrten Gesichtern, draußen weiteres Blitzeis. Die Straßenreinigung kam kaum hinterher. «Es ist wie eine kleine Katastrophe», sagt Ulrike Sommer vom Berliner Rettungsdienst. «Viele Menschen unterschätzen die Gefahr.»
Der Deutsche Wetterdienst warnt: Die Temperaturen bleiben in den kommenden Tagen um den Gefrierpunkt. Besonders morgens und abends droht weiteres Glatteis. Die Krankenhäuser haben bereits zusätzliches Personal einbestellt. Wie gut, dass die Hamburger Winterschulung für Klinikpersonal nun auch in Berlin etabliert wird. Manchmal muss erst das Eis brechen, damit wir verstehen, wie wichtig Prävention ist.