Die Hauptstadt kam gestern buchstäblich ins Rutschen. Bis zu 80 Notrufe pro Stunde wegen Glatteisunfällen verzeichnete die Berliner Feuerwehr am Mittwochmorgen. Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn meldete maximale Auslastung. «Wir operieren seit Mitternacht durchgehend», teilte die Klinik mit. Über 100 Patienten mit Knochenbrüchen und anderen schweren Verletzungen wurden behandelt.
Die Eisglätte traf Berlin plötzlich und mit voller Wucht. Aus dem Unfallkrankenhaus hieß es, man habe noch nie so viele schwere Frakturen an einem Tag gesehen. «Die meisten Patienten haben sich beim Sturz auf vereisten Gehwegen und Straßen verletzt», erklärte Kliniksprecherin Angela Kijewski. Besonders Handgelenks- und Sprunggelenksfrakturen seien häufig, dazu kommen Oberschenkel- und Schulterbrüche.
Auch die Polizei meldete deutlich mehr Verkehrsunfälle als üblich. Auf den Straßen kam es zu zahlreichen Karambolagen – glücklicherweise meist mit Blechschäden. Der ÖPNV war stark eingeschränkt. BVG-Busse konnten zeitweise gar nicht oder nur stark verzögert fahren.
In meinen fast zwanzig Jahren als Journalistin habe ich selten eine so konzentrierte Unfallwelle erlebt. Beim Ortstermin am UKB standen die Rettungswagen Schlange, Sanitäter schoben im Minutentakt neue Patienten herein. «Wir arbeiten am Limit», sagte mir ein erschöpfter Chirurg zwischen zwei Operationen.
Der Deutsche Wetterdienst warnt, dass solche Extremwetterereignisse durch den Klimawandel zunehmen könnten. Trotz Streusalzeinsatz waren viele Wege nicht rechtzeitig gesichert. Für die überlasteten Rettungskräfte bleibt die bange Frage: Ist die Stadt auf wiederholte Glatteis-Ereignisse dieser Dimension vorbereitet? Und was bedeutet das für unsere Infrastruktur, wenn Wetterextreme künftig öfter auftreten?