Die Wetterkapriolen der letzten Tage haben Norddeutschland fest im Griff. Ein gefährliches Glatteis überzog Straßen und Gehwege in mehreren Bundesländern und forderte mindestens drei Menschenleben. Allein in Niedersachsen zählte die Polizei zwischen Dienstagabend und Mittwochmorgen mehr als 350 Unfälle. Die eisige Gefahr kam über Nacht – und traf viele unvorbereitet.
In Bassum bei Bremen verlor ein 82-jähriger Autofahrer auf spiegelglatter Fahrbahn die Kontrolle über seinen Wagen und kollidierte mit einem Baum. Für den Senior kam jede Hilfe zu spät. Auch bei Verden verunglückte ein Autofahrer tödlich, als sein Fahrzeug von der vereisten Straße abkam. In Sachsen-Anhalt starb ein 71-Jähriger nach einem Sturz auf dem Glatteis vor seiner Haustür.
«Die Einsatzkräfte arbeiten am Limit», berichtete mir ein Polizeisprecher aus Hannover am Telefon. Seit meiner Zeit als Lokalreporterin in Baden-Württemberg habe ich selten eine solche Häufung von Unfällen innerhalb weniger Stunden erlebt. Besonders tragisch: Viele Betroffene unterschätzten die Gefahr völlig.
In Niedersachsen blieben zahlreiche Schulen geschlossen. «Die Sicherheit unserer Schülerinnen und Schüler hat oberste Priorität», erklärte der Landkreis Hameln-Pyrmont auf seiner Webseite. Eltern mussten kurzfristig Betreuungslösungen finden.
Die Wetterdienste warnen: Es könnte noch schlimmer kommen. Für die kommenden Tage werden weitere Niederschläge erwartet, die auf gefrorenen Böden zu gefährlichem Blitzeis führen können.
Die Ereignisse erinnern an das Chaos vor einigen Jahren in Hamburg, als ähnliche Wetterbedingungen den Verkehr komplett lahmlegten. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Bei Glatteiswarnungen sollte niemand das Haus verlassen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Denn manchmal kann auch der sicherste Winterreifen nicht vor dem Unglück schützen.