Die Diskussion um eine mögliche Friedensmission der Bundeswehr in der Ukraine hat eine überraschende Wendung genommen. Franziska Brantner, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium und einflussreiche Stimme der Grünen, signalisierte gestern in Berlin Unterstützung für den Vorstoß von CDU-Chef Friedrich Merz. «Wir müssen endlich über den humanitären Schatten dieses Krieges sprechen – die zerstörte medizinische Infrastruktur kostet täglich Menschenleben, die nichts mit direkten Kampfhandlungen zu tun haben», erklärte Brantner bei einer Podiumsdiskussion.
Die Lage in ukrainischen Krankenhäusern bleibt nach drei Jahren Krieg katastrophal. Nach Angaben der WHO wurden bereits über 1.200 medizinische Einrichtungen beschädigt oder zerstört. Besonders dramatisch ist die Situation in den östlichen Regionen, wo durchschnittlich nur noch 23 Prozent der ursprünglichen Gesundheitsversorgung funktionsfähig sind. Mir kommen dabei Erinnerungen an meine Berichterstattung aus dem zerfallenden Jugoslawien in den 1990ern – auch dort kollabierte das Gesundheitssystem lange vor dem Ende der Kämpfe.
Der von Merz vorgeschlagene Plan sieht einen strikt humanitären Einsatz deutscher Sanitätskräfte und Militärärzte in einer entmilitarisierten Zone vor. Prof. Olha Bohomolets, ehemalige Gesundheitsministerin der Ukraine, unterstützt diese Initiative: «Wir brauchen nicht nur Waffen, sondern auch medizinische Expertise, um unser Gesundheitssystem zu stabilisieren.» Die Bundeswehr könnte mit ihren Feldlazaretten und der Erfahrung aus Afghanistan einen entscheidenden Beitrag leisten.
Die SPD bleibt jedoch skeptisch. Ralf Stegner warnte vor einer «schleichenden Ausweitung des deutschen Engagements» und verwies auf diplomatische Alternativen. Eine Betrachtung der jüngeren Geschichte zeigt jedoch, dass humanitäre Missionen durchaus erfolgreich sein können, wenn sie klar definierte Grenzen haben – wie beim UN-Einsatz in Osttimor, wo medizinische Teams unter internationalem Mandat arbeiteten.
Die Debatte zeigt ein grundlegendes Dilemma: Wie können wir medizinische Hilfe leisten, ohne zur Konfliktpartei zu werden? Eine 23-jährige Sanitäterin aus Saporischschja brachte es auf den Punkt: «Wir behandeln täglich Kinder mit kriegsbedingten Traumata, während die Politik über rote Linien diskutiert.» Genau hier müssen wir ansetzen – bei konkreten medizinischen Bedürfnissen, jenseits geopolitischer Grabenkämpfe.