Der Schneefall hat Hamburg seit Samstag fest im Griff. Bis zu 20 Zentimeter Neuschnee sind in manchen Stadtteilen gefallen – mehr als der Winterdienst bewältigen kann. Am Flughafen fielen gestern 140 Flüge aus, auf den Straßen stehen Autos im Schnee fest. In Schnelsen mussten 17 Menschen die Nacht in einem Bus verbringen, weil dieser nicht mehr weiterkam.
Während die Hauptstraßen mittlerweile wieder befahrbar sind, bleiben viele Nebenstraßen für Autos unpassierbar. «Wir arbeiten seit 48 Stunden im Dauereinsatz», erklärt Stadtreinigungssprecher Kay Fischer. «Aber selbst mit allen 840 Einsatzkräften können wir nicht überall gleichzeitig sein.» Die Stadtbahnen fallen teilweise komplett aus oder fahren mit massiven Verspätungen.
Besonders ältere Menschen sind von der Situation betroffen. «Ich traue mich seit zwei Tagen nicht aus dem Haus», berichtet die 78-jährige Helga Schmitt aus Barmbek. Der Gehweg vor ihrem Haus ist eine einzige Eisplatte.
Als ich gestern durch Eimsbüttel lief, sah ich Menschen mit Schneeschaufeln, die gemeinsam ihre Straße freischippten. «Wenn die Stadt nicht hinterherkommt, packen wir eben selbst an», sagte mir ein junger Mann mit roter Mütze.
Laut Deutschem Wetterdienst soll es bis Mittwoch weiter schneien. Die Hamburger Verkehrsbehörde bittet alle Bürger, unnötige Fahrten zu vermeiden. «Diese Schneemassen in so kurzer Zeit überfordern uns», gibt Verkehrssenator Anjes Tjarks zu. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Klimawandel solche Extremwetterereignisse häufiger bringen wird.»
Es könnte ein Vorgeschmack sein auf das, was künftig öfter auf uns zukommt: Nicht nur Hitzerekorde im Sommer, sondern auch chaotische Wintereinbrüche.