Die weiße Pracht hat Hamburg fest im Griff: Minus 12 Grad und 30 Zentimeter Neuschnee haben die Hansestadt in ein Verkehrschaos gestürzt. Seit Mittwoch kämpfen über 850 Mitarbeiter der Stadtreinigung rund um die Uhr gegen die Schneemassen – doch in vielen Stadtteilen bleiben Gehwege vereist und Nebenstraßen unpassierbar. Nach Angaben der Feuerwehr wurden seit Donnerstag mehr als 300 witterungsbedingte Unfälle registriert.
Besonders hart trifft es die Außenbezirke. In Rahlstedt und Bergedorf warten viele Anwohner seit Tagen auf Räumfahrzeuge. «Ich komme mit meinem Rollator nicht mehr zur Apotheke», klagt die 82-jährige Helga Meyer aus Volksdorf. Die Situation erinnert an den Katastrophenwinter 2021, als Hamburg tagelang im Schnee versank.
Problematisch ist vor allem der Mangel an Streufahrzeugen. «Unser Fuhrpark ist überaltert. Fast ein Drittel der Fahrzeuge stammt noch aus den frühen 2000er Jahren und fällt bei extremen Temperaturen immer häufiger aus», erklärt Daniel Wegener, Sprecher der Hamburger Stadtreinigung. Ersatzteile seien kaum noch verfügbar.
Die Kosten für eine komplette Modernisierung beziffert die Stadt auf rund 35 Millionen Euro – Geld, das im aktuellen Haushalt nicht vorgesehen ist. «Wir improvisieren, so gut es geht», sagt Umweltsenatorin Katharina Fegebank. «Aber der Klimawandel bringt paradoxerweise neben milderen Wintern auch häufigere Extremwetterereignisse.»
Als ich gestern durch Eimsbüttel fuhr, sah ich dutzende Bürger, die mit eigenen Schaufeln Bushaltestellen freilegten – Hamburger Eigeninitiative, die mich beeindruckt hat.
Was jetzt helfen könnte: Ein digital koordiniertes Nachbarschaftsnetzwerk, das Hilfsbedürftige mit freiwilligen Helfern verbindet. Die Stadt Münster hat damit im letzten Winter gute Erfahrungen gemacht. Zudem braucht Hamburg dringend einen «Extremwetter-Investitionsplan», der über Legislaturperioden hinweg Bestand hat.
Die Frage bleibt: Müssen wir uns auf solche Winterextrema häufiger einstellen? Meteorologen nicken. Und damit wird die Schneeräumung nicht mehr nur Verwaltungsaufgabe sein, sondern zunehmend Gemeinschaftsprojekt aller Hamburgerinnen und Hamburger.