Der Preis des Erfolgs wird immer höher. Nach dem intensiven Viertelfinalsieg gegen Ungarn bei der Heim-EM stellt sich beim deutschen Handball-Team die bange Frage: Wie lange halten unsere Stars noch durch? Kapitän Johannes Golla war nach dem Kraftakt «völlig am Ende», wie Teamkollege Jannik Kohlbacher besorgt mitteilte. «Er konnte in der Kabine kaum noch sprechen.»
Die körperliche Belastung des Turniers fordert ihren Tribut. Neben Golla kämpfen mehrere Leistungsträger mit Verschleißerscheinungen. Rune Dahmke laboriert an einer Fußverletzung, Juri Knorr an einer lädierten Wurfhand und Kai Häfner konnte wegen Rückenproblemen kaum trainieren. «Wir sind an einem Punkt, wo es nicht mehr um taktische Feinheiten geht», erklärte Bundestrainer Alfred Gislason nach dem Ungarn-Spiel. «Jetzt geht es um Regeneration und mentale Frische.»
Die Dichte des Spielplans ist dabei ein zunehmendes Problem. Mit durchschnittlich nur 44 Stunden Regenerationszeit zwischen den Partien stoßen selbst Profiathleten an ihre Grenzen. Sportwissenschaftler Prof. Dr. Tim Meyer von der Uniklinik Saarbrücken warnt: «Die Kombination aus intensiver physischer Belastung und mentalem Druck kann zu einem drastischen Leistungsabfall führen, besonders in den entscheidenden Turnierphasen.»
Dennoch sieht DHB-Sportvorstand Axel Kromer Chancen für das anstehende Halbfinale: «Die Spieler zeigen unglaublichen Willen. Was uns vielleicht an körperlicher Frische fehlt, machen wir mit Leidenschaft und Heimvorteil wett.» Die Frage bleibt: Reicht der Kampfgeist allein für den großen Wurf? Die deutschen Fans hoffen auf ein zweites Wintermärchen – doch der Körper verzeiht keine Fehler, besonders wenn es um die letzten Meter geht.