Durch den dunklen Nachthimmel dringen tiefschwarze Rauchschwaden. Flammen lodern in mehreren Etagen eines Wohnhochhauses in Berlin-Spandau. Mindestens 18 Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer. Der Brand brach gegen 3:40 Uhr aus und verbreitete sich rasch über mehrere Stockwerke. Laut Feuerwehr Berlin wurden über 230 Einsatzkräfte mobilisiert – einer der größten Einsätze der letzten Jahre.
Die Löscharbeiten gestalten sich äußerst schwierig. «Wir kämpfen gegen die Zeit und die Ausbreitung des Feuers in der Gebäudestruktur», erklärt Einsatzleiter Karsten Homrighausen vor Ort. Die Flammen haben sich durch mehrere Wohnungen gefressen und drohen, auf weitere Etagen überzugreifen. Zahlreiche Bewohner wurden mit Drehleitern aus ihren Wohnungen gerettet, während andere sich selbstständig in Sicherheit bringen konnten.
Eine ältere Dame aus dem achten Stock berichtet mit zitternder Stimme: «Ich wurde vom Rauchmelder geweckt und konnte gerade noch meinen Mantel überwerfen. Der Flur war bereits völlig verqualmt.»
In meinen fast zwanzig Jahren als Journalistin habe ich selten eine so beeindruckende Rettungsaktion erlebt. Die Koordination zwischen Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten funktioniert wie ein Uhrwerk – trotz der chaotischen Umstände.
In einer nahegelegenen Turnhalle wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Das Deutsche Rote Kreuz versorgt dort etwa 150 Bewohner mit warmen Getränken, Decken und psychologischer Betreuung. «Viele stehen unter Schock», erklärt DRK-Helferin Sabine Meier.
Die Brandursache ist noch völlig unklar. Experten vermuten einen technischen Defekt in einer Wohnung im fünften Stock. Die Ermittlungen werden erschwert durch die anhaltenden Löscharbeiten. Die Polizei rechnet mit einem Schaden in Millionenhöhe.
Für viele Anwohner beginnt nun eine Zeit der Ungewissheit. Wann können sie zurück? Was ist mit ihrem Hab und Gut? Die Solidarität im Kiez ist jedoch groß – zahlreiche Nachbarn bieten spontan Übernachtungsmöglichkeiten an. In Krisenmomenten zeigt sich: Berlin rückt zusammen, wenn es darauf ankommt.