Die digitale Isolation hat rund 350 Münchner Haushalte seit gestern Abend fest im Griff. Bei Bauarbeiten im Stadtteil Solln wurde ein wichtiges Telekommunikationskabel durchtrennt. Das Ergebnis: kein Internet, kein Telefon, kein Fernsehen.
«Es ist, als wäre man plötzlich in den 1980er Jahren gelandet», berichtet Anwohner Michael Weber. Er arbeitet im Homeoffice und musste heute Vormittag ins Café ausweichen. «Meine wichtige Video-Konferenz konnte ich nur über das Mobilfunknetz führen. Das ist auf Dauer keine Lösung.»
Die Stadtwerke München bestätigten den Vorfall. Sprecherin Claudia Behrens: «Bei Tiefbauarbeiten an der Sollner Straße wurde versehentlich ein Hauptkabel beschädigt. Unsere Techniker arbeiten seit den frühen Morgenstunden mit Hochdruck an der Reparatur.»
Die Auswirkungen spüren vor allem Familien und ältere Menschen. In der nahegelegenen Bibliothek drängten sich heute mehr Besucher als sonst um die wenigen öffentlichen Computer. «Wir haben unsere Nutzungszeiten vorübergehend verlängert», erklärt Bibliothekarin Petra Schulz.
Als ich vor Ort recherchierte, fiel mir auf, wie sehr sich der Alltag durch solche Störungen verändert. Wo sonst Menschen mit Kopfhörern durch die Straßen eilen, entstanden heute spontane Gesprächsgruppen. Eine Dame Mitte 70 meinte lachend: «Früher haben wir uns auch ohne Internet unterhalten können.»
Die Reparaturarbeiten sollen laut Stadtwerke noch bis morgen Mittag andauern. Diese Störung zeigt einmal mehr, wie abhängig wir von funktionierender Infrastruktur geworden sind – und wie unvorbereitet viele auf deren Ausfall sind. Was würde eigentlich passieren, wenn der digitale Stecker für längere Zeit gezogen würde?