Als ich gestern durch Berlins Mitte lief, war die Stimmung unter den iranischen Demonstranten greifbar: eine Mischung aus Wut, Hoffnung und Entschlossenheit. Heute werden bis zu 20.000 Menschen am Großen Stern erwartet, um gegen das Mullah-Regime zu protestieren. Seit der Hinrichtung des deutsch-iranischen Aktivisten Jamshid Sharmahd im Mai hat sich die Empörung in der iranischen Diaspora noch verstärkt.
«Die Menschen im Iran brauchen unsere Stimme, weil sie ihre eigene nicht erheben können», erklärte mir Mina Ahadi vom Zentralrat der Ex-Muslime. Tatsächlich wurden seit 2022 mindestens 800 Demonstranten bei Protesten im Iran getötet, Tausende verhaftet.
Die Kundgebung wird vom Internationalen Komitee gegen die Todesstrafe organisiert und von mehr als 80 Vereinen unterstützt. Unter dem Motto «Für eine demokratische Republik Iran» fordern sie ein Ende des islamistischen Regimes und demokratische Reformen.
Was mich bei meinen Gesprächen besonders berührt: Viele Teilnehmer haben Angehörige verloren oder können nicht in ihre Heimat zurückkehren. «Wir sind hier, weil wir dort nicht sein können», sagte mir ein älterer Herr aus Hamburg, der seit 40 Jahren im Exil lebt.
Die Berliner Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Bei früheren Iran-Demos kam es vereinzelt zu Zusammenstößen mit Regime-Anhängern. Doch die Organisatoren betonen den friedlichen Charakter des Protests.
Was in Berlin geschieht, wird über soziale Medien direkt in den Iran übertragen. «Jedes Bild, jeder Bericht gibt den Menschen dort Hoffnung», erklärt die Aktivistin Niloofar Hamedi. Darin liegt die wahre Kraft dieser Demonstration: Sie überschreitet Grenzen und verbindet Menschen über tausende Kilometer hinweg.
Die Frage bleibt: Wird der internationale Druck jemals ausreichen, um im Iran echten Wandel zu bewirken?