Die Jenischen in Deutschland kämpfen um offizielle Anerkennung. Seit Generationen leben sie als Bevölkerungsgruppe mit eigener Kultur und Sprache in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Nun fordern ihre Verbände die Bundesregierung auf, sie als nationale Minderheit anzuerkennen – neben Sorben, Friesen, Dänen und Sinti und Roma, die diesen Status bereits besitzen.
Gerade einmal 200.000 Jenische leben schätzungsweise in Europa, davon etwa 10.000 bis 15.000 in Deutschland. Viele von ihnen wurden während der NS-Zeit verfolgt und in Konzentrationslager deportiert. Ihre traumatische Geschichte ist bis heute kaum aufgearbeitet.
«Wir warten seit Jahrzehnten auf diesen längst überfälligen Schritt der Anerkennung», sagt Romeo Franz, Vorsitzender der Hildegard-Lagrenne-Stiftung, die sich für die Rechte von Sinti, Roma und Jenischen einsetzt. In der Schweiz sind Jenische bereits seit 1998 als nationale Minderheit anerkannt.
Als Journalistin habe ich immer wieder erlebt, wie Minderheiten um ihre grundlegende Sichtbarkeit kämpfen müssen. In Baden-Württemberg, wo es eine lebendige jenische Gemeinschaft gibt, fehlt es bis heute an öffentlichem Bewusstsein für ihre Kultur.
Das Bundesinnenministerium prüft den Antrag derzeit. Eine Anerkennung würde für die Jenischen nicht nur symbolische Bedeutung haben, sondern auch konkrete Rechte zum Schutz und zur Förderung ihrer Kultur mit sich bringen.
Wie wir als Gesellschaft mit historisch marginalisierten Gruppen umgehen, sagt viel über unseren Umgang mit Vielfalt aus. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir gemeinsam einen weiteren Schritt in Richtung Anerkennung unserer kulturellen Vielfalt gehen.