Article – Die erste überregionale jüdische Bildungsstätte Deutschlands nimmt konkrete Formen an: In Frankfurt am Main soll 2026 die Jüdische Akademie eröffnen. Diese wird nicht nur Debatten über jüdische Kultur und Religion fördern, sondern steht allen Bürgerinnen und Bürgern offen, die sich für einen offenen Dialog interessieren.
Auf dem historischen Gelände der ehemaligen Philanthropin, einst das größte jüdische Schulgebäude Deutschlands, entsteht ein moderner siebengeschossiger Bau. Das Projekt kostet rund 34,5 Millionen Euro und wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt gemeinsam finanziert.
«Frankfurt ist ein idealer Ort für die Akademie», erklärt Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden. «Die Stadt blickt auf eine lange jüdische Tradition zurück und war schon immer ein Zentrum jüdischen Lebens.» Tatsächlich lebten hier vor der NS-Zeit etwa 30.000 jüdische Bürger – eine der größten Gemeinden Deutschlands.
Als ich vor Jahren die Baustelle besichtigte, war noch nicht absehbar, welche Bedeutung diese Einrichtung heute haben würde. In Zeiten zunehmender antisemitischer Vorfälle wird die Akademie ein wichtiger Begegnungsort, an dem Vorurteile abgebaut werden können.
Der Zentralrat der Juden betont, dass die Einrichtung ein «Ort des lebendigen Dialogs» werden soll. Neben Veranstaltungen zu jüdischer Philosophie und Geschichte werden auch aktuelle gesellschaftliche Fragen diskutiert. Besonders für Schulklassen wird es spezielle Angebote geben.
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef sieht in der Akademie ein wichtiges Signal: «Sie zeigt, dass jüdisches Leben zu Deutschland gehört und eine Zukunft hat.» Die Eröffnung 2026 fällt mit dem 1.700-jährigen Jubiläum jüdischen Lebens in Deutschland zusammen – ein symbolträchtiger Zeitpunkt für einen Neuanfang.