In Essen sorgt ein neuer Fall von Jugendgewalt für Entsetzen. Ein 15-jähriger Schüler wurde vergangene Woche von vier Jugendlichen brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt. Seine Mutter sieht erschreckende Parallelen zum tödlichen Angriff auf den 23-jährigen Paul aus Münster, der im Februar nach einer Prügelattacke verstarb.
«Sie haben ihn umzingelt, zu viert auf ihn eingeschlagen und ihm seinen Rucksack gestohlen», berichtet die Mutter des Opfers. Ihr Sohn erlitt bei dem Überfall Prellungen am ganzen Körper. Die Tat ereignete sich am hellichten Tag an einer Straßenbahnhaltestelle in Essen-Frohnhausen.
Die Polizei Essen bestätigt den Vorfall und ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Raubes. Laut Kriminalstatistik hat die Zahl der Gewaltdelikte durch jugendliche Täter in Essen im letzten Jahr um 23 Prozent zugenommen.
«Was mich besonders erschüttert: Keiner der Passanten hat eingegriffen oder die Polizei gerufen», sagt die Mutter. Sie hat den Fall öffentlich gemacht, weil sie Parallelen zu anderen Gruppenangriffen sieht. Tatsächlich weisen Experten auf bestimmte Muster hin.
Kriminologe Prof. Thomas Bliesener von der Universität Kiel erklärt: «Bei Gruppenangriffen spielt Gruppendynamik eine entscheidende Rolle. Die Hemmschwelle sinkt, wenn mehrere Täter gemeinsam agieren.«
Ich habe in meiner 20-jährigen Berichterstattung immer wieder erlebt, wie Familien nach solchen Vorfällen zwischen Angst und dem Wunsch nach Öffentlichkeit schwanken. Diese Mutter entschied sich für den schwierigen Weg an die Öffentlichkeit.
Die Stadt Essen hat inzwischen reagiert. Oberbürgermeister Thomas Kufen kündigte verstärkte Präsenz des Ordnungsamtes an Brennpunkten an. Sozialarbeiter sollen zudem gezielt Jugendgruppen ansprechen.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein wachsendes Problem in deutschen Großstädten. Während Politiker nach härteren Strafen rufen, mahnen Experten zur differenzierten Betrachtung. Die entscheidende Frage bleibt: Wie können wir junge Menschen erreichen, bevor sie zu Tätern werden?