Die Hamburger Sozialbehörde hat heute eine deutliche Verstärkung der bezirklichen Jugendhilfe angekündigt. 30 neue Stellen werden in den kommenden Monaten besetzt, um die wachsenden Herausforderungen bei der Betreuung junger Menschen zu bewältigen. Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Hilfeanfragen um fast 15 Prozent, wie aus den aktuellen Zahlen des Jugendhilfemonitors hervorgeht.
Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard betonte bei der Vorstellung: «Die Pandemie hat tiefe Spuren in der psychischen Gesundheit vieler Jugendlicher hinterlassen. Mit den neuen Fachkräften reagieren wir auf diesen gestiegenen Bedarf.» Die Stellen werden gleichmäßig auf alle sieben Bezirke verteilt, wobei Wilhelmsburg und Billstedt aufgrund ihrer besonderen sozialen Struktur zusätzliche Unterstützung erhalten.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Thema Schulabsentismus. In meinen Gesprächen mit Sozialarbeitern in Altona höre ich immer wieder, dass die Zahl der Schüler, die dem Unterricht dauerhaft fernbleiben, dramatisch zugenommen hat. «Wir sehen hier eine besorgniserregende Entwicklung», sagt Thomas Weber vom Hamburger Jugendhilfeverband. «Viele Kinder haben während der Lockdowns den Anschluss verloren und finden nicht mehr zurück.»
Die neuen Stellen sollen vor allem präventiv wirken. Neben klassischer Einzelfallhilfe plant die Stadt auch den Ausbau von Gruppenangeboten und die verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen. Fachleute begrüßen diesen Ansatz, weisen aber auf die grundlegenden Probleme hin.
«Die Wartelisten für therapeutische Angebote sind nach wie vor lang», kritisiert Kinderpsychologin Dr. Marie Schulze. «Die zusätzlichen Fachkräfte können erste Hilfe leisten, aber für tiefgreifende psychische Probleme braucht es mehr spezialisierte Angebote.»
Als ich gestern durch Barmbek lief, sah ich eine lange Schlange vor der Beratungsstelle «Kompass» – ein Bild, das die aktuelle Situation eindrücklich illustriert. Mehr Informationen zum Stellenausbau gibt es auf der Webseite der Sozialbehörde.
Was bleibt, ist die Frage, ob 30 neue Stellen ausreichen werden. Die Herausforderungen sind komplex, die Folgen der Pandemie langfristig. Hamburgs Jugend braucht starke Unterstützung – jetzt und in Zukunft. Wie viele Kinder werden durch das Netz fallen, bevor das System wirklich tragfähig ist?