Seit dem Sommer ist es ruhiger geworden in Dresdens Brennpunkten. Die Zahl der Straftaten durch Jugendliche ist erstmals seit 2022 deutlich gesunken. Nach Angaben der Polizeidirektion Dresden wurden im vergangenen Jahr 3.821 Tatverdächtige unter 21 Jahren registriert – ein Rückgang um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders bei Gewaltdelikten zeigte sich eine positive Entwicklung, wie die Behörde mitteilte.
«Wir sehen erste Erfolge unserer intensiven Präventionsarbeit», erklärt Polizeipräsidentin Sonja Weber. Die Behörden hatten nach einer besorgniserregenden Zunahme der Jugendkriminalität in den Jahren 2022 und 2023 einen Maßnahmenkatalog entwickelt. Damals hatte besonders die Großraumanlage Prohlis für Schlagzeilen gesorgt, als Gruppen von Jugendlichen immer wieder aneinandergerieten.
Die Stadt reagierte mit einer Kombination aus verstärkter Polizeipräsenz und Sozialarbeit. «Entscheidend war, dass wir nicht nur repressiv vorgegangen sind, sondern auch Perspektiven geschaffen haben», betont Jugenddezernentin Maria Hoffman. So wurden Sportangebote ausgebaut und niedrigschwellige Beratung für Familien eingerichtet.
Als ich vergangenes Jahr durch Prohlis lief, war die Anspannung noch spürbar. Misstrauische Blicke, Grüppchen, die ihre Reviere markierten. Heute treffe ich dieselben Jugendlichen beim Basketballturnier der Stadtteilinitiative. Die Atmosphäre hat sich verändert.
Doch nicht alle Experten teilen den Optimismus. «Die Zahlen sind ermutigend, aber wir dürfen nicht nachlassen», warnt Kriminologe Professor Thomas Haller von der TU Dresden. Vor allem die wirtschaftliche Lage vieler Familien bleibe prekär. Wenn die Unterstützungsangebote aus finanziellen Gründen zurückgefahren werden, könnte der positive Trend schnell kippen.
Was bedeutet die Entwicklung für Dresden? Die Stadt atmet auf, das Sicherheitsgefühl vieler Bürger hat sich verbessert. Doch der Weg zu einer dauerhaften Lösung ist noch lang. Die wahre Herausforderung liegt nicht in kurzfristigen Erfolgen, sondern in der Frage, wie wir jungen Menschen echte Chancen eröffnen – jenseits von Kriminalität.