Die Berliner Nächte werden kälter, und ausgerechnet jetzt fehlen zwei wichtige Schutzräume für Obdachlose. In der Nacht zu Sonntag wurden zwei Kältebusse der Stadtmission in Berlin-Kreuzberg in Brand gesteckt. Die Fahrzeuge, die Obdachlosen in kalten Nächten Schlafsäcke, warme Getränke und einen Platz in Notunterkünften vermitteln, brannten vollständig aus. Mehr als 18.000 Menschen leben in Berlin ohne festen Wohnsitz.
«Es ist ein Anschlag auf die Schwächsten unserer Gesellschaft», sagt Barbara Breuer, Sprecherin der Berliner Stadtmission. Besonders bitter: Die Busse waren erst im vergangenen Jahr nach einer Spendenaktion angeschafft worden. Der Schaden beträgt rund 140.000 Euro.
Doch die Welle der Hilfsbereitschaft, die nach dem Anschlag durch die Hauptstadt schwappt, überrascht selbst langjährige Helfer. Innerhalb von 36 Stunden gingen über 300.000 Euro an Spenden ein. «Das hätten wir nie erwartet», erzählt ein sichtlich bewegter Kältebus-Fahrer, der seit fünf Jahren Obdachlose versorgt.
Ich erinnere mich noch gut an eine eisige Januarnacht vor drei Jahren, als ich für eine Reportage den Kältebus begleitete. Ein Mann mittleren Alters, zusammengekauert in einem Hauseingang nahe dem Ostbahnhof, wollte zunächst keine Hilfe annehmen. «Die meisten haben ihre Geschichte, warum sie draußen bleiben», erklärte mir damals ein Helfer. Umso wichtiger sind die mobilen Anlaufstellen.
Während die Polizei wegen Brandstiftung ermittelt, haben mehrere Berliner Unternehmen Ersatzfahrzeuge angeboten. Die BVG stellt einen Bus zur Verfügung, ein Autoverleih einen Transporter. Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe versprach schnelle unbürokratische Hilfe.
In den kommenden Tagen werden die Temperaturen in Berlin auf unter null Grad fallen. Die Stadtmission will trotz des Anschlags ihre Touren fortsetzen – mit geliehenen Fahrzeugen und zusätzlichen Freiwilligen. «Wir lassen uns nicht einschüchtern«, sagt Barbara Breuer. Die Solidarität der Berliner gibt ihr dabei recht.