Als die Nachricht über den neuen Karnevalsprinzen von Köln die Runde machte, spürte man sofort: Das wird keine normale Session. Seit Mitte dieser Woche ist offiziell, dass Stephan Brings, Frontmann der Kölsch-Rock-Band Kasalla, im kommenden Jahr als Karnevalsprinz durch die Domstadt ziehen soll. Doch statt Jubel gibt es Streit – Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat ihre Teilnahme an der Proklamation bereits abgesagt.
Grund ist ein brisanter Facebook-Post von Brings aus dem Jahr 2021, in dem er nach einer umstrittenen Entscheidung des Stadtrats zur Umgestaltung der Hohenzollernbrücke schrieb: «Ich hasse diesen Stadtrat und diese Oberbürgermeisterin». Die Aussage, längst gelöscht, holt ihn nun ein.
«In unserer Stadt hat Hass keinen Platz», begründet Reker ihre Entscheidung gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger. Das Festkomitee Kölner Karneval steht dagegen hinter seinem designierten Prinzen. Präsident Christoph Kuckelkorn betont: «Stephan hat sich entschuldigt und ist auf Frau Reker zugegangen. Mehr kann man nicht erwarten.»
Brings selbst zeigt sich zerknirscht: «Der Post war ein Fehler, den ich zutiefst bereue. Ich habe aus Frust und Enttäuschung überreagiert.» Er habe mehrfach versucht, mit der Oberbürgermeisterin zu sprechen – bisher vergeblich.
Die Kölnerinnen und Kölner reagieren gespalten. Während manche Brings› Entschuldigung anerkennen, sehen andere den Karneval beschädigt. Als ich gestern über den Alter Markt ging, diskutierten Passanten hitzig. Eine ältere Dame meinte: «Dat ham mer all schon jesaht, wenn mer wütend waren.»
Die Session 2025 steht nun unter schwierigen Vorzeichen. Kuckelkorn hofft noch auf Versöhnung, doch die Zeit drängt. Der Karneval, eigentlich Symbol der Einigkeit in der Domstadt, wird diesmal zum Schauplatz einer Zerreißprobe für die Stadtgesellschaft. Vielleicht liegt darin aber auch eine Chance – zu zeigen, dass Kölsche nicht nachtragend sind, sondern vergeben können.