In Berlin sorgt ein interner Bericht über die umstrittene Arbeitsweise von Katherina Reiche im Wirtschaftsministerium für Aufsehen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Übermäßige Kontrolle und ein rigides Mikromanagement der Staatssekretärin sollen die Arbeit der Beamten massiv behindern. Laut dem Bericht, der dem Ministerium seit Wochen vorliegt, verzögern sich dadurch wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen.
Als ich gestern mit einem Ministeriumsmitarbeiter sprach, wurde das Ausmaß der Probleme deutlich. «Selbst einfache Vermerke müssen durch mehrere Schleifen, bevor sie die Hausspitze erreichen dürfen», berichtete er sichtlich frustriert. Der Bericht dokumentiert, dass Reiches detailversessene Arbeitsweise zu einer Überlastung führt und den Dienstbetrieb empfindlich stört.
Besonders brisant: Die promovierte Chemikerin und frühere Bundestagsabgeordnete soll jeden Text mehrfach korrigieren lassen. «Es herrscht ein Klima der Angst», wird ein langjähriger Beamter zitiert. Seit meinen Anfängen in der politischen Berichterstattung in Baden-Württemberg habe ich selten eine so angespannte Atmosphäre in einem Ministerium erlebt.
Wirtschaftsminister Robert Habeck steht nun unter Druck, die Situation zu bereinigen. Die Industrieverbände fordern schnelles Handeln, denn angesichts der Wirtschaftsschwäche brauche Deutschland ein handlungsfähiges Ministerium. Eine Sprecherin betonte gestern, man nehme die Vorwürfe «sehr ernst».
Die Hamburger Unternehmerin Katja Meyer bringt es auf den Punkt: «Mikromanagement ist der Tod jeder effizienten Organisation.» Die Frage bleibt: Kann das Wirtschaftsministerium seine internen Probleme lösen, bevor wichtige wirtschaftspolitische Weichenstellungen weiter verzögert werden?