In Dormagen herrscht Fassungslosigkeit nach dem gewaltsamen Tod des 14-jährigen Yosef. Der Teenager wurde am vergangenen Samstag mit Stichverletzungen auf einem Schulhof gefunden. Die Polizei ermittelt nun gegen ein strafunmündiges Kind unter 14 Jahren als Tatverdächtigen. Eine Stadt steht unter Schock, während Experten nach Antworten suchen.
Was genau am Wochenende auf dem Schulgelände passierte, bleibt vorerst unklar. Nach Angaben der Ermittler soll ein Kind, jünger als 14 Jahre, für die tödlichen Stiche verantwortlich sein. «Wir müssen davon ausgehen, dass es sich um ein gezieltes Aufeinandertreffen handelte,» erklärte ein Sprecher der Polizei Neuss. Da der Verdächtige noch nicht strafmündig ist, kann er strafrechtlich nicht belangt werden.
In der Rheinstadt haben Menschen an der Schule Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. Eine Nachbarin, die anonym bleiben möchte, erzählt mir mit tränenerstickter Stimme: «Yosef war ein freundlicher Junge. Dass so etwas hier passieren kann, hätte niemand gedacht.»
Jugendgewalt beschäftigt auch Experten. Der Kriminologe Christian Pfeiffer betont: «Bei Kindern, die zu extremer Gewalt greifen, liegen oft komplexe Probleme vor – von familiären Konflikten bis hin zu Gewalterfahrungen.» Solche Fälle sind selten, aber nicht beispiellos. Erst letztes Jahr erschütterte der Fall der getöteten zwölfjährigen Luise aus Freudenberg Deutschland.
Als ich durch Dormagen gehe, spüre ich die bedrückende Stille, die nur Tragödien dieser Art auslösen können. Der Fall wirft unbequeme Fragen auf: Wie gehen wir mit Gewalt unter Kindern um? Welche Hilfsangebote brauchen wir? Und wie kann eine Gemeinschaft nach solch einem Schock wieder zusammenfinden?