Der Zülpicher Platz in Köln verwandelt sich zum Epizentrum närrischer Energie. Seit Weiberfastnacht drängen sich hier tausende Feiernde, die bunten Kostüme mischen sich mit dem Duft von Kölsch und Reibekuchen. Die Stadt hat ihr Sicherheitskonzept verschärft – 1.100 Ordnungskräfte sorgen für einen geregelten Ablauf im «Kwartier Latäng», wie die Veedel rund um die Zülpicher Straße liebevoll genannt werden.
«Die Stimmung ist ausgelassen, aber kontrolliert», berichtet Einsatzleiter Michael Esser. Besonders die Einlasskontrollen mit Taschenüberprüfungen und das Glasverbot hätten sich bewährt. Anders als in früheren Jahren bleibt die Situation überschaubar. Ein Novum: Die temporären Toilettenanlagen reichen tatsächlich aus – ein Umstand, den Anwohner mit Erleichterung aufnehmen.
Ich treffe Anna und Marc aus Düsseldorf, beide zum ersten Mal beim Kölner Karneval. «Wir haben mit Schlimmerem gerechnet», gesteht Anna lachend. «Die Organisation ist beeindruckend.» Die Kölner Hochburgen entlasten sich gegenseitig – während am Alter Markt und Heumarkt die traditionellen Jecken feiern, tummeln sich am Zülpicher Platz vor allem jüngere Narren.
Was mich nach 18 Jahren Karnevalsberichterstattung überrascht: Die Balance zwischen Ausgelassenheit und Ordnung scheint endlich gefunden. Wo früher Exzesse das Bild prägten, zeigt sich heute ein gesünderer Umgang mit dem «kölschen Grundgesetz» – Feiern können, ohne über die Stränge zu schlagen.
Ob das neue Konzept auf Dauer trägt, wird sich an den kommenden Tagen bis Rosenmontag zeigen. Fest steht: Der Geist des Karnevals lebt nicht vom maßlosen Trinken, sondern vom Miteinander. Ein alter Büttenredner fasste es einmal treffend zusammen: «Im Karneval sind wir alle gleich – nur anders kostümiert.«