Heute Morgen verließ der Kulturzug zum letzten Mal den Berliner Hauptbahnhof Richtung Breslau (Wrocław). Nach zehn Jahren endet damit eine besondere deutsch-polnische Verbindung, die mehr als nur Transport bot. Seit 2016 haben über 85.000 Reisende diese rollende Kulturbühne genutzt, wo Lesungen, Konzerte und Begegnungen stattfanden.
Ich stehe am Bahnsteig, wo sich Menschen mit gemischten Gefühlen verabschieden. «Der Zug war ein Brückenbauer zwischen unseren Ländern», sagt Mirosław Nowak, ein regelmäßiger Fahrgast aus Breslau. Die Verbindung wurde ursprünglich für das Kulturhauptstadtjahr 2016 eingerichtet und später wegen des Erfolgs verlängert.
Besonders beeindruckt hat mich immer die Atmosphäre an Bord. In einem Abteil diskutierten deutsche und polnische Studierende, im nächsten spielte ein Musiker Akkordeon. Das Verkehrsministerium Brandenburg, das den Zug mit 1,1 Millionen Euro jährlich förderte, musste die Finanzierung nun einstellen.
«Es gibt Gespräche über alternative Zugverbindungen», erklärt eine Sprecherin des VBB. Doch der kulturelle Aspekt werde fehlen. Eine reguläre Bahnverbindung Berlin-Breslau ist zwar geplant, aber frühestens 2026 realisierbar.
Während der letzte Kulturzug abfährt, frage ich mich: Wie lässt sich dieser kulturelle Austausch über Grenzen hinweg in Zukunft gestalten? Der Zug mag enden, doch die aufgebauten Beziehungen bleiben bestehen – sie brauchen nur neue Wege.