Der beliebte Kulturzug zwischen Berlin und Wrocław (Breslau) fährt zum letzten Mal. Nach sieben Jahren kultureller Vernetzung über Grenzen hinweg wird die Verbindung am 15. Dezember eingestellt. Seit 2016 nutzten mehr als 65.000 Reisende den Zug, der nicht nur Transportation, sondern ein fahrendes Kulturprogramm bot.
Auf den Fahrten erlebten die Reisenden Konzerte, Lesungen und Ausstellungen – eine rollende deutsch-polnische Begegnungsstätte. Als Grund für das Ende nennt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) fehlende Finanzierung. Die EU-Förderung lief bereits 2019 aus, seitdem trug das Land Brandenburg die Kosten fast allein. «Der Kulturzug war ein herausragendes Symbol für die europäische Zusammenarbeit», sagt Guido Beermann, Verkehrsminister Brandenburgs.
Bei meiner letzten Mitfahrt im November spürte ich die Enttäuschung der Stammgäste. «Ich fahre seit Jahren mit meinen Enkeln nach Breslau, für uns geht ein Stück Europa verloren», erzählte mir die Berlinerin Helga Krause (73). Die vierstündige Fahrt durch die brandenburgische und schlesische Landschaft schuf eine besondere Atmosphäre, die kaum ein anderes Verkehrsmittel bieten kann.
Die deutsch-polnischen Kulturbeziehungen verlieren damit einen wichtigen Knotenpunkt. Alternativ bleiben nur Fernbusse und unregelmäßige Zugverbindungen mit mehrmaligem Umsteigen. Die Bürgerinitiative «Zug der Kultur» sammelt bereits Unterschriften für eine Fortführung. Ob daraus etwas wird, hängt wohl davon ab, wie viel uns grenzüberschreitende Kultur noch wert ist – in Zeiten, in denen Europa mehr denn je solche Brücken braucht.