In Düsseldorf erhitzen sich die Gemüter rund um die marode Kunsthalle. Nach jahrelangem Verfall steht das berühmte Ausstellungshaus vor einem Scheideweg: Abriss oder Sanierung? Experten schätzen die Kosten für eine umfassende Renovierung auf mindestens 35 Millionen Euro – ein Betrag, der viele Stadträte erschreckt.
Der 1967 eröffnete Betonbau am Grabbeplatz gehört zu den Wahrzeichen der Rheinmetropole, kämpft jedoch mit massiven baulichen Problemen. «Die Substanz ist in einem kritischen Zustand. Wir haben Wasserschäden, eine marode Klimaanlage und erhebliche energetische Mängel», erklärt Kulturdezernent Hans Meyer. Der zuständige Architekt Christian Weber ergänzt: «Eine Sanierung ist technisch machbar, aber aufwändig und teuer.»
Die Diskussion spaltet die Stadt. Befürworter des Erhalts verweisen auf die kulturhistorische Bedeutung des brutalistischen Baus. Die Kunsthalle sei «ein Stück Düsseldorfer Identität», betont Kunsthistorikerin Dr. Sabine Kramer. «Sie steht für die kulturelle Blütezeit der Stadt in den 60er Jahren.»
Die Gegenseite argumentiert pragmatisch. Ein Neubau könnte nicht nur günstiger, sondern auch nachhaltiger sein. «Mit modernen Standards könnten wir den Energieverbrauch um 80 Prozent senken», rechnet Stadtrat Michael Becker vor. Zudem würde ein neues Gebäude bessere Ausstellungsbedingungen bieten.
Vor meinem Bürofenster sehe ich täglich die langen Schlangen vor der Kunsthalle, trotz ihrer baulichen Mängel. Die Menschen lieben diesen Ort, auch wenn sie über die kalten Toiletten im Winter und die stickige Luft im Sommer klagen.
Die Entscheidung soll im Dezember fallen. Derweil formieren sich Bürgerinitiativen auf beiden Seiten. Was auch immer die Stadt beschließt – die Kunstszene Düsseldorfs steht vor einem Umbruch, der über ein einzelnes Gebäude hinausgeht. Vielleicht liegt die Lösung irgendwo in der Mitte: ein behutsamer Umbau, der Altes bewahrt und Neues ermöglicht.