Die Stuttgarter Innenstadt wurde am vergangenen Samstag zur Bühne für rund 2.000 Demonstrierende, die gegen die türkische Militäroffensive in Kurdistan protestierten. «Freiheit für Kurdistan» und «Stoppt den Krieg» schallte es durch die Straßen, während die Menge vom Schlossplatz zum Rotebühlplatz zog. Die Polizei meldete einen weitgehend störungsfreien Verlauf bei sommerlichen Temperaturen.
Organisiert wurde der Protest vom kurdischen Kulturverein Stuttgart, der seit Wochen mobilisierte. Im Zentrum stand die Kritik an der türkischen Militäroperation gegen PKK-Stellungen in Nordirak. «Was dort passiert, ist ein systematischer Angriff auf die kurdische Zivilbevölkerung», erklärte Azad Mihemed, Sprecher der Demonstration.
Die Teilnehmenden schwenkten Fahnen in den kurdischen Nationalfarben Rot, Gelb und Grün. Verbotene Symbole der PKK wurden laut Polizeibericht nicht gezeigt. Beamte waren mit einem Großaufgebot präsent, mussten aber kaum eingreifen.
Mir fiel besonders auf, wie viele Familien mit Kindern teilnahmen – ein deutlicher Unterschied zu früheren kurdischen Demonstrationen in der Landeshauptstadt, bei denen oft eine angespanntere Atmosphäre herrschte. «Wir sind hier, um friedlich für unsere Rechte einzustehen», sagte eine Teilnehmerin mit ihrem kleinen Sohn an der Hand.
Baden-Württemberg hat eine der größten kurdischen Gemeinschaften Deutschlands. In Stuttgart allein leben schätzungsweise 15.000 Menschen mit kurdischen Wurzeln. Die dortige Szene gilt als gut vernetzt und politisch aktiv.
Die Abschlusskundgebung am Rotebühlplatz endete mit einer Schweigeminute für die Opfer des Konflikts. Während politische Beobachter die kurdische Frage als einen der komplexesten ethnischen Konflikte im Nahen Osten bezeichnen, bleibt die Frage: Wird die internationale Gemeinschaft diesmal hinschauen?