An der Ridlerstraße im Münchner Stadtteil Sendling steht ein 17-stöckiges Hochhaus in trauriger Einsamkeit. Vor genau 50 Jahren als höchstes Bürogebäude Münchens eröffnet, ist das sogenannte Neue Technische Rathaus heute völlig verwaist. Wo einst 1.600 städtische Angestellte arbeiteten, herrscht gähnende Leere. Jeder fünfte Münchner kennt den Betonkoloss, doch die wenigsten wissen, warum er seit Jahren ungenutzt bleibt.
Die Geschichte des Gebäudes ist symptomatisch für Münchens Stadtentwicklung. 1974 als architektonisches Vorzeigeprojekt fertiggestellt, verlor es schnell seinen Glanz. «Die Bausubstanz entspricht längst nicht mehr heutigen Standards«, erklärt Stadtrat Thomas Weigl. Besonders problematisch: die Asbestbelastung, die eine normale Nutzung unmöglich macht.
Bei meinem letzten Lokaltermin fiel mir die seltsame Atmosphäre sofort auf. Während rundum der Münchner Immobilienmarkt boomt, steht dieses potenzielle Filetstück leer. Die Stadt München, die das Gebäude 2013 für 52 Millionen Euro an einen Investor verkaufte, hat die Reißleine gezogen. «Die Sanierungskosten waren schlicht nicht mehr vertretbar», so Baureferentin Maria Lechner.
Anwohner Gerhard Maier, der seit 30 Jahren gegenüber wohnt, berichtet: «Früher war hier Leben, heute ist es wie ein Geisterhaus. Nachts wird’s sogar unheimlich.» Tatsächlich haben viele Münchner das Gebäude längst aus ihrem mentalen Stadtplan gestrichen.
Wie geht es weiter? Der aktuelle Eigentümer plant einen kompletten Abriss und Neubau. Doch zwischen behördlichen Auflagen und steigenden Baukosten verzögert sich das Projekt immer wieder. Für München bleibt der Leerstand ein Mahnmal dafür, wie schnell architektonische Träume zu städtebaulichen Problemen werden können. Die Frage bleibt: Wie viele weitere versteckte Leerstände gibt es in unserer Stadt?