Deutschland steht vor einer Belastungsprobe im Bildungssystem. Heute legten in Dresden rund 2.500 Lehrkräfte die Arbeit nieder. Sie streiken für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Gehälter und mehr Wertschätzung. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind die Schulen in Sachsen am Limit – mit einer Unterrichtsausfallquote von über 10 Prozent im letzten Schuljahr.
«Wir brauchen endlich eine Entlastung und faire Bezahlung«, erklärt Karin Weber, Grundschullehrerin aus Leipzig, während sie mit Hunderten Kolleginnen und Kollegen vor dem Kultusministerium steht. Die Forderungen der Streikenden sind klar: Verkleinerung der Klassen auf maximal 25 Schülerinnen und Schüler, zusätzliche Entlastungsstunden für ältere Lehrkräfte und eine Angleichung der Gehälter zwischen Grund- und Gymnasiallehrern.
Das sächsische Kultusministerium zeigt Verständnis, verweist aber auf begrenzte finanzielle Spielräume. «Wir arbeiten bereits an Lösungen, aber nicht alle Forderungen sind sofort umsetzbar», so Kultusminister Christian Piwarz.
Dabei ist die Lage in Sachsen kein Einzelfall. In meinen fast zwanzig Jahren als Bildungsreporterin habe ich die Situation nie so angespannt erlebt wie heute. Der Lehrkräftemangel hat sich zu einer echten Krise ausgeweitet. Besonders betroffen sind Grundschulen und Einrichtungen in ländlichen Gebieten, wo Stellen teilweise monatelang unbesetzt bleiben.
Die Folgen spüren vor allem die Kinder. Studien zeigen, dass gerade Schüler aus bildungsfernen Familien unter dem Unterrichtsausfall besonders leiden. Ein Teufelskreis entsteht: Überlastete Lehrkräfte werden häufiger krank, was zu noch mehr Unterrichtsausfall führt.
Der Streik in Dresden ist womöglich erst der Anfang einer längeren Auseinandersetzung. Gewerkschaften kündigen weitere Maßnahmen an, falls keine substantiellen Zugeständnisse erfolgen. Für Eltern und Schüler bleibt die bange Frage: Wer investiert endlich ausreichend in unsere Bildung?