In Mecklenburg-Vorpommern stehen heute zahlreiche Klassenzimmer leer. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Lehrkräfte zum Streik aufgerufen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligen sich landesweit mehr als 1.000 Lehrerinnen und Lehrer an dem Ausstand, der bis zum Freitag andauern soll. Besonders betroffen sind Schulen in Rostock, Schwerin und im Landkreis Ludwigslust-Parchim.
Als ich gestern durch Rostock fuhr, sah ich bereits die ersten Plakate an Schulgebäuden: «Bessere Bildung braucht bessere Bedingungen». Und tatsächlich steht es nicht gut um die Arbeitsbedingungen im Bildungswesen unseres nördlichen Bundeslandes. Die Lehrkräfte fordern vor allem eine Absenkung der wöchentlichen Pflichtstunden, die derzeit bei 27 Unterrichtsstunden liegen.
«Wir sind am Limit», erklärt Annett Lindner, GEW-Landesvorsitzende. «Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten weit über ihr Pensum hinaus, gleichzeitig fehlen überall Lehrkräfte.» Das Bildungsministerium bestätigt, dass landesweit etwa 500 Lehrerstellen unbesetzt sind – bei steigenden Anforderungen durch Inklusion und Integration.
Die Verhandlungen mit dem Land laufen seit Monaten schleppend. Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) zeigt zwar Verständnis für die Belastungssituation, verweist aber auf begrenzte Haushaltsmittel: «Wir können nicht zaubern. Eine pauschale Stundenreduzierung würde mindestens 1.000 zusätzliche Vollzeitstellen bedeuten.»
Für Eltern und Schüler bedeutet der Streik vor allem Unsicherheit. Die Schulen sind angehalten, eine Notbetreuung sicherzustellen, doch der reguläre Unterricht fällt weitgehend aus. Am Ende leiden alle unter einem System, das dringend Reformen braucht – nicht nur in MV, sondern bundesweit. Wie lange wollen wir noch an der Bildung sparen?