Der oberfränkische Brauerei-Traditionalist Leikeim aus Altenkunstadt hat am Dienstag beim Amtsgericht Coburg ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Die 1887 gegründete Familienbrauerei kämpft mit steigenden Kosten und dem allgemeinen Rückgang des Bierkonsums. Rund 90 Mitarbeiter bangen nun um ihre Zukunft, während die Geschäftsführung betont, der Braubetrieb laufe uneingeschränkt weiter.
«Wir haben diese schwere Entscheidung getroffen, um das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen», erklärt Andreas Leikeim, Geschäftsführer in fünfter Generation. Als Sachwalter wurde Rechtsanwalt Hubert Ampferl bestellt, während die operative Führung bei der Familie bleibt. Die Eigenverwaltung bietet der Brauerei die Chance, sich ohne vollständige Kontrollabtretung neu zu ordnen.
Die Branche steht unter Druck: Der Bierkonsum in Deutschland sinkt kontinuierlich, gleichzeitig explodieren Energie- und Rohstoffpreise. Wer vor zehn Jahren durch die oberfränkische Brauereilandschaft fuhr, konnte sich kaum vorstellen, dass selbst etablierte Namen wie Leikeim ins Straucheln geraten könnten. In meinen Gesprächen mit Brauereivertretern aus der Region höre ich immer wieder die gleichen Sorgen: «Der Strukturwandel trifft uns mit voller Wucht.«
Besonders bitter: Mit jährlich rund 100.000 Hektolitern Ausstoß gehört Leikeim zu den mittelgroßen Privatbrauereien, die weder von der Nischenstellung kleiner Craftbier-Hersteller profitieren noch die Kostenvorteile der Großkonzerne nutzen können.
Für Oberfranken, das sich stolz als Region mit der höchsten Brauereidichte der Welt bezeichnet, ist jede Brauerei-Schieflage ein Stück verlorene Identität. Ob die Sanierung gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – für die Mitarbeiter und die Bierkultur der Region steht viel auf dem Spiel.