Inmitten des Dortmunder Kaiserviertels steht ein Gebäude, das die meisten Passanten kaum wahrnehmen: Das Oberbergamt – ein beeindruckender Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, der einst das Zentrum der bergbaulichen Verwaltung im Ruhrgebiet war. Heute, mehr als fünf Jahre nach dem Ende des deutschen Steinkohlebergbaus, arbeiten hier noch etwa 200 Mitarbeiter. Sie sind die letzten Hüter einer Tradition, die das Ruhrgebiet über Generationen geprägt hat.
«Wir sind verantwortlich für die Ewigkeitsaufgaben des Bergbaus«, erklärt Andreas Meyer, Leiter des Oberbergamts. Damit meint er vor allem die Wasserhaltung – das ständige Abpumpen von Grundwasser in den stillgelegten Zechen, das nie enden darf. «Würden wir nicht pumpen, würde das Ruhrgebiet absaufen», sagt er mit der Direktheit eines Bergmanns.
Im Gebäude selbst spürt man noch den Glanz vergangener Zeiten. Die repräsentativen Treppenaufgänge, die schweren Holztüren und die hohen Decken zeugen von der Bedeutung, die der Bergbau einst hatte. Als ich durch die Flure gehe, treffe ich auf Ingenieurinnen und Markscheider, die heute weniger mit Kohleabbau als mit Umweltschutz und Geothermie beschäftigt sind.
Eine besondere Begegnung habe ich mit Karl Schmitz, 82 Jahre alt, ehemaliger Bergmann auf Zeche Minister Stein. Er besucht das Amt regelmäßig: «Das hier ist für mich mehr als ein Gebäude. Es ist ein Stück Heimat.» Für die alten Bergleute bleibt das Oberbergamt ein Symbol – auch wenn in den Büros längst andere Themen dominieren.
Die Zukunft des imposanten Baus mit seiner aufwendig sanierten Fassade ist gesichert. Anders als viele Zechengebäude wird es nicht verschwinden. «Wir haben hier nicht nur ein historisches Erbe zu verwalten», sagt Meyer, «sondern auch eine Verantwortung für die Zukunft.» Ein Gedanke, der nachdenklich stimmt – wenn man bedenkt, dass die Pumpen im Untergrund der Region niemals stillstehen dürfen.