Wenn am Sonntag die SpVgg Vreden zum letzten Heimspiel der Saison gegen den ASC 09 Dortmund antritt, werden nicht nur die Fans im Stadion mitfiebern. Dank eines professionellen Livestreams können Fußballbegeisterte das Match ab 14:30 Uhr auch bequem von zu Hause verfolgen. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien, ist im Amateurfußball mittlerweile mehr als nur ein nettes Extra.
«Die Digitalisierung hat den Amateursport grundlegend verändert«, erklärt Michael Weber, Medienexperte für Regionalligen. «Heute erwarten Fans auch von kleineren Vereinen hochwertige digitale Angebote – vom Livestream bis zur interaktiven Spielstatistik.» Die Zahlen geben ihm recht: Laut einer aktuellen Erhebung des Deutschen Fußball-Bundes sind die Zuschauerzahlen bei gestreamten Amateurspielen im vergangenen Jahr um beeindruckende 43 Prozent gestiegen.
Die SpVgg Vreden hat frühzeitig in die nötige Technik investiert und profitiert jetzt mehrfach. Nicht nur können ortsferne Fans und verletzte Spieler die Matches verfolgen, auch für die Spielanalyse bietet das Videomaterial wertvolle Einblicke. Besonders bemerkenswert: Die Vredener setzen auf mehrere Kameraperspektiven und Kommentatoren, die für echtes Bundesliga-Feeling sorgen. Selbst einige Profivereine könnten hier noch was lernen.
Doch die digitale Revolution im Amateurfußball bringt auch Herausforderungen mit sich. Kleine Vereine müssen Personal und Ressourcen aufbringen, die eigentlich für den Spielbetrieb gedacht waren. «Manchmal frage ich mich, ob wir mehr Kamera- als Spieler-Trainer brauchen», scherzt ein Vereinsvorstand aus der Nachbarschaft. Trotzdem: Der Trend ist unaufhaltsam.
Bleibt die spannende Frage: Werden wir in zehn Jahren noch ins Stadion gehen, wenn wir die perfekte Übertragung auch auf dem Smartphone haben können? Die Antwort kennt niemand – aber wer das Vredener Heimspiel am Sonntag verfolgt, erlebt ein Stück Zukunft des Amateurfußballs. Und das ganz ohne Anfahrt.