In Hattersheim bei Frankfurt herrscht seit dem frühen Dienstagmorgen Ausnahmezustand im Bahnverkehr. Eine Lok ist entgleist und hat den Zugverkehr auf mehreren wichtigen Strecken im Rhein-Main-Gebiet zum Erliegen gebracht. Der Vorfall ereignete sich gegen 4:30 Uhr im Bahnhof Hattersheim, als eine Rangierlok aus bislang ungeklärten Gründen aus den Gleisen sprang.
Die Auswirkungen sind massiv: Der Zugverkehr zwischen Frankfurt und Wiesbaden ist vollständig unterbrochen, ebenso die Verbindung zwischen Mainz-Kastel und Frankfurt-Höchst. Tausende Pendler stehen vor großen Problemen auf ihrem Weg zur Arbeit. Nach Angaben der Deutschen Bahn müssen Reisende mit «erheblichen Verspätungen und Zugausfällen» rechnen.
«Die Bergungsarbeiten gestalten sich äußerst kompliziert», erklärt ein Bahnsprecher vor Ort. Ein Spezialteam mit schwerem Gerät wurde angefordert, um die tonnenschwere Lok wieder ins Gleis zu heben. Die genaue Ursache der Entgleisung ist noch unklar. Techniker untersuchen, ob ein Defekt am Gleis oder an der Lok selbst den Unfall verursacht haben könnte.
Betroffen sind zahlreiche Regionalverbindungen sowie S-Bahnen. Die S1 und S9 fahren derzeit nur im Notbetrieb. Ersatzbusse wurden eingerichtet, doch wie mir eine gestrandete Pendlerin am Hauptbahnhof Frankfurt berichtet: «Die Busse sind hoffnungslos überfüllt, viele kommen gar nicht erst durch.»
In meinen fast zwanzig Jahren Berichterstattung habe ich selten erlebt, wie ein einzelner technischer Zwischenfall eine ganze Region so lahmlegen kann. Besonders bitter: Die ohnehin stark belastete Verkehrsinfrastruktur im Rhein-Main-Gebiet hat praktisch keine Ausweichmöglichkeiten.
Die Deutsche Bahn rechnet mit einer Behebung der Störung «im Laufe des Tages», ein genauerer Zeitplan steht noch aus. Für die Pendler im Westen Frankfurts beginnt damit ein Tag voller Improvisation und Geduldsproben. Die Frage nach der Robustheit unseres Bahnsystems wird sich danach erneut stellen.