Am Münchner Flughafen herrscht seit heute Morgen Ausnahmezustand. Piloten der Lufthansa haben ihre Arbeit niedergelegt – für volle 48 Stunden. Hunderte Flüge fallen aus, Tausende Passagiere stranden. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit fordert deutlich höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen.
Wer in diesen Tagen am Terminal 2 steht, erlebt Frust pur. Familien mit Kleinkindern, Geschäftsreisende, Urlauber – alle starren auf rote Anzeigetafeln. „Cancelled» steht da, immer wieder. Laut Flughafenangaben sind allein am Montag über 180 Verbindungen gestrichen worden. Bis Mittwoch könnte die Zahl auf 400 steigen.
„Wir haben keine andere Wahl», erklärt Marcel Gröls von der Pilotengewerkschaft. Die Inflation fresse die Reallöhne auf. Die Arbeitgeber böten zu wenig. Für viele Piloten gehe es nicht nur ums Geld, sondern auch um Planbarkeit. Schichtdienste werden oft kurzfristig geändert. Das zehrt an den Nerven.
Ich habe in zwanzig Jahren viele Streiks erlebt – in Hamburg, in Stuttgart, in Frankfurt. Aber die Stimmung diesmal ist anders. Die Menschen verstehen die Sorgen der Piloten. Gleichzeitig wächst die Wut auf die Konzernführung. Warum wird nicht verhandelt, fragen sich viele.
Die Lufthansa bietet Umbuchungen an und verweist auf ihre Webseite. Doch das hilft wenig, wenn der Sommerurlaub platzt. Für die Region München bedeutet der Streik auch wirtschaftliche Einbußen. Hotels, Taxifahrer, Restaurants – alle spüren die Auswirkungen.
Ob es noch diese Woche eine Einigung gibt, ist offen. Die Fronten sind verhärtet. Eines zeigt dieser Arbeitskampf deutlich: Die Luftfahrtbranche steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. Und die Rechnung zahlen mal wieder die Passagiere.