Bei winterlichen Temperaturen versammelten sich heute rund 5.000 Menschen am Gedenkort der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde. Die jährliche Demonstration zum Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht lockte wie immer ein breites Spektrum linker Gruppen an. Vor 105 Jahren, am 15. Januar 1919, wurden die beiden Kommunistenführer in Berlin ermordet.
«Rosa Luxemburg steht für einen demokratischen Sozialismus, der heute wichtiger denn je ist», sagte eine Teilnehmerin aus Kreuzberg, die mit roten Nelken zur Gedenkstätte kam. Die Tradition des stillen Gedenkens reicht bis in die DDR-Zeit zurück, hat aber auch nach 1989 nichts von ihrer Symbolkraft eingebüßt.
Bemerkenswert war in diesem Jahr die Vielfalt der Teilnehmenden. Neben Vertretern der Linkspartei und traditionellen kommunistischen Gruppen waren auch viele junge Menschen dabei. Als ich vor Jahren zum ersten Mal über diese Veranstaltung berichtete, dominierte noch die ältere Generation. Heute mischen sich Studenten mit alten Kämpfern – alle eint die Verehrung für die ermordeten Revolutionäre.
Die Polizei war mit etwa 350 Beamten vor Ort. «Wir sorgen für einen friedlichen Ablauf der Versammlung», erklärte ein Polizeisprecher. Größere Zwischenfälle blieben aus. Die meisten Teilnehmer legten still ihre Blumen nieder, während andere gemeinsam Lieder aus der Arbeiterbewegung anstimmten.
Während die offizielle Gedenkveranstaltung in würdevollem Rahmen stattfand, wird für morgen noch eine weitere Demonstration im Zentrum Berlins erwartet. Die Frage bleibt, welche Bedeutung historische Figuren wie Luxemburg und Liebknecht für heutige politische Kämpfe haben können. Vielleicht liegt ihre bleibende Relevanz weniger in konkreten politischen Programmen als in ihrer kompromisslosen Haltung gegen Krieg und Ungerechtigkeit.