Article – Heute vollzog Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) einen überraschenden Schritt: Nach 13 Jahren im Amt kündigte er seinen Rückzug für Herbst 2024 an. Sein designierter Nachfolger ist Bildungsminister Michael Richter (70), der damit knapp ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl die Führung übernehmen soll. Bei der Pressekonferenz in Magdeburg betonte Haseloff: «Es ist Zeit für einen geordneten Übergang.»
Die Entscheidung kam für viele Beobachter unerwartet. Der 70-jährige Haseloff galt trotz seines Alters als stabile Führungsfigur in einem politisch zunehmend fragmentierten Bundesland. Seit 2011 führt er verschiedene Koalitionen – zunächst mit der SPD, dann mit SPD und Grünen, und aktuell in der sogenannten «Kenia-Koalition» mit SPD und FDP.
«Für unsere Demokratie ist es wichtig, Verantwortung rechtzeitig weiterzugeben», erklärte Haseloff. Michael Richter, sein Nachfolger, gilt als erfahrener Verwaltungsfachmann. Er war bereits Finanzminister und übernahm 2021 das Bildungsressort.
Die Opposition reagierte prompt. AfD-Fraktionschef Oliver Kirchner sprach von einem «Eingeständnis des Scheiterns», während Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern Respekt für die Entscheidung äußerte, aber gleichzeitig vor «politischer Instabilität» warnte.
In meinen fast zwei Jahrzehnten als Politikjournalistin habe ich selten einen so geordneten, aber dennoch überraschenden Machtwechsel erlebt. In der Landeshauptstadt Magdeburg spürt man Verunsicherung – aber auch eine gewisse Erleichterung über die klare Nachfolgeregelung.
Die Herausforderungen für Richter werden erheblich sein. In Sachsen-Anhalt steht die AfD in Umfragen bei 28 Prozent, knapp hinter der CDU. Der Fachkräftemangel und die wirtschaftliche Transformation sind weitere Baustellen. Wird Richter als Übergangslösung wahrgenommen oder kann er eigene Akzente setzen? Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieser Stabwechsel das Land stabilisiert oder neue Unwägbarkeiten schafft.