In den Trainingsräumen des 1. FSV Mainz 05 herrscht ungewöhnliche Stille. Statt Anweisungen und Ballgeräuschen sieht man Spieler mit VR-Brillen, die virtuelle Spielzüge durchleben. Diese Szene ist kein Zukunftsszenario, sondern Realität vor dem wichtigen Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln. Besonders Neuzugang Silas, der vor seinem Debüt steht, profitiert vom digitalen Training.
Virtual Reality ermöglicht unseren Spielern, Entscheidungssituationen tausendfach zu trainieren, ohne körperliche Belastung, erklärt Mainz-Trainer Bo Henriksen. Die 05er gehören zu den Vorreitern dieser Technologie in der Bundesliga. Die Software analysiert dabei nicht nur Spielsituationen, sondern misst auch Reaktionszeiten und Blickverhalten der Profis. Laut einer DFB-Studie verbessert sich die Entscheidungsfindung durch VR-Training um durchschnittlich 23 Prozent.
Während Köln noch skeptisch auf die digitale Revolution blickt, nutzt Mainz auch KI-gestützte Videosysteme, die automatisch gegnerische Muster erkennen. Bei Silas werden zusätzlich individuelle Bewegungsprofile erstellt, die seine Integration beschleunigen sollen. Die Spieler selbst sind gespalten: Am Anfang war’s komisch mit der Brille, aber jetzt erkenne ich Situationen auf dem Platz schneller, gibt Mainzer Mittelfeldspieler Dominik Kohr zu.
Die Technik ersetzt natürlich nicht das klassische Training auf dem Rasen. Sie bildet vielmehr eine Ergänzung, die besonders in der regenerativen Phase zwischen den englischen Wochen wertvoll ist. Die Frage bleibt: Wird der digitale Vorsprung der Mainzer im rheinischen Duell den Unterschied machen? Die Antwort gibt’s am Samstagnachmittag – ganz analog auf dem grünen Rasen.