Die Stunden vor Mitternacht zeigten es deutlich: In Deutschland wächst die Solidarität mit der in Ungarn inhaftierten Studentin Maja T. In Berlin, Hamburg, München und zwölf weiteren Städten versammelten sich gestern tausende Menschen zu spontanen Protestaktionen. Allein in München kamen über 800 Teilnehmer zusammen – viele mit Schildern: «Free Maja» und «Solidarität kennt keine Grenzen».
Die 23-jährige Deutsche wurde in Budapest zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ihr Vergehen laut ungarischer Justiz: Angriff auf einen Rechtsextremisten bei einer Demonstration. Bemerkenswert: Die Beweise gegen Maja T. sind äußerst dürftig, wie mehrere unabhängige Beobachter bestätigen.
«Das Urteil ist politisch motiviert und verstößt gegen elementare rechtsstaatliche Prinzipien», erklärte Außenministerin Baerbock gestern Abend. Die Bundesregierung arbeite «mit Hochdruck» an einer diplomatischen Lösung.
In Hamburg erlebte ich ähnliche Protestaktionen schon während meiner Anfangsjahre als Journalistin. Was damals wie heute beeindruckt: Die Geschlossenheit über politische Grenzen hinweg. Konservative stehen neben Linken, wenn es um Grundrechte geht.
Die ungarische Botschaft in Berlin reagierte mit einer knappen Stellungnahme: Man respektiere die Unabhängigkeit der Justiz und bitte darum, dasselbe zu tun. Doch der Fall wirft ein grelles Licht auf die Rechtsentwicklung in Ungarn. Viktor Orbáns Regierung steht seit Jahren in der Kritik, den Rechtsstaat systematisch abzubauen.
Was bleibt, ist die bange Frage: Kann internationaler Druck Maja T. helfen? Die Proteste werden weitergehen – in München ist für Samstag eine Großdemonstration angekündigt. Manchmal braucht es den Blick über den eigenen Tellerrand, um zu verstehen, was Freiheit wirklich bedeutet.