Der Mathäser, Münchens traditionsreiches Filmzentrum, steht vor einem radikalen Umbruch. Der Eigentümer, die Bayerische Hausbau, plant offenbar den kompletten Abriss des Gebäudes am Stachus, in dem das größte Kino der Stadt mit 14 Sälen und 3500 Sitzplätzen untergebracht ist. Der Grund: Das 1957 errichtete Gebäude gilt als sanierungsbedürftig.
«Die Pläne haben mich kalt erwischt», gesteht Martin Schmidt, ein Filmfan, der seit 30 Jahren regelmäßig ins Mathäser geht. «Hier habe ich meinen ersten Star-Wars-Film gesehen.» Tatsächlich droht München ein Stück Kulturgeschichte zu verlieren. Wo einst der gleichnamige Bierkeller stand, in dem Hitler seine ersten politischen Reden hielt, entstand nach dem Krieg einer der bedeutendsten Kinopaläste Deutschlands.
Die Bayerische Hausbau bestätigt auf Anfrage, dass «unterschiedliche Szenarien geprüft» werden. Ein Unternehmenssprecher betont jedoch: «Wir stehen noch ganz am Anfang des Prozesses.» Fest steht: Der Mietvertrag mit Kinobetreiber Cinemaxx läuft noch bis 2027. Danach könnte ein Neubau folgen, der neben Kino auch Büros, Geschäfte und womöglich Wohnungen beherbergen soll.
Als ich gestern am Stachus unterwegs war, herrschte bei den Kinogängern bereits Wehmut. Viele erinnern sich an besondere Filmerlebnisse im Mathäser. «München ohne den Mathäser? Unvorstellbar», meinte eine ältere Dame kopfschüttelnd.
Die Stadt München hat inzwischen reagiert. Kulturreferat und Denkmalschutzbehörde prüfen Möglichkeiten, zumindest Teile des Gebäudes zu erhalten. Doch ob der Mathäser in seiner jetzigen Form eine Zukunft hat, bleibt fraglich. In Zeiten von Streamingdiensten und sinkenden Besucherzahlen steht nicht nur ein Gebäude auf dem Spiel – sondern auch ein Stück Münchner Kinokultur.