In Dresden bildeten gestern über 10.000 Menschen eine symbolische Menschenkette zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt vor 81 Jahren. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt reichten sich Dresdnerinnen und Dresdner die Hände, um ein Zeichen gegen Krieg und für Frieden zu setzen. Die Beteiligung übertraf die Erwartungen der Organisatoren deutlich – im Vorjahr waren es noch etwa 8.000 Teilnehmer.
„Erinnern heißt Verantwortung übernehmen«, sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert bei seiner Ansprache am Altmarkt. Er betonte, dass das Gedenken an die geschätzten 25.000 Toten der Bombardierung vom 13. Februar 1945 nicht von politischen Extremisten instrumentalisiert werden dürfe. Genau diese Gefahr besteht jedoch weiterhin. Am Rande der Gedenkveranstaltungen versammelten sich etwa 300 Rechtsextreme zu einem nicht genehmigten «Trauermarsch».
Ich stehe am Neumarkt und beobachte, wie sich Familien mit Kindern, Senioren und junge Leute an den Händen halten. Eine ältere Dame erzählt mir mit Tränen in den Augen, wie sie als Kind die Bombennacht überlebte. «Das darf nie wieder passieren, nirgendwo«, sagt sie leise.
Die Menschenkette ist heute mehr als ein lokales Ritual. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht sie als «wichtiges Signal in Zeiten wachsender internationaler Spannungen«. Die Veranstaltung steht unter dem Motto «Erinnern, um zu lernen» und verbindet lokales Gedenken mit weltweiter Friedenshoffnung.
Während die offizielle Veranstaltung friedlich verlief, musste die Polizei mehrfach eingreifen, um rechte und linke Demonstranten zu trennen. Die Frage bleibt: Wie kann Dresden sein Gedenken vor politischem Missbrauch schützen und gleichzeitig offen für alle bleiben, die ehrlich erinnern wollen?