Artikel – Die Mieten in München steigen weiter – ein Ende ist nicht in Sicht. Während Münchner im Durchschnitt 18,50 Euro pro Quadratmeter zahlen, kommen Wiener mit etwa 9 Euro davon. Diese drastische Differenz wirft Fragen auf, denn beide Städte zählen zu den attraktivsten Metropolen im deutschsprachigen Raum. Was macht Wien anders?
Die österreichische Hauptstadt setzt seit Jahrzehnten auf eine klare Strategie: Über 60 Prozent des Wohnraums sind in öffentlicher Hand oder gehören Genossenschaften. In München sind es gerade einmal 8 Prozent. «Wien hat frühzeitig verstanden, dass Wohnraum keine gewöhnliche Handelsware ist«, erklärt Josef Schmid, Wirtschaftsprofessor an der Universität München.
Bei meinen Recherchen in Wien fiel mir sofort auf, wie selbstverständlich dort bezahlbares Wohnen für alle gesellschaftlichen Schichten ist. Vom Arzt bis zur Supermarktverkäuferin – in den Gemeindebauten wohnen alle Einkommensklassen nebeneinander. Das schafft eine besondere städtische Atmosphäre.
Der «Wiener Wohnbauförderungsfonds» investiert jährlich rund eine Milliarde Euro in neuen Wohnraum. «Wir verstehen Wohnungspolitik als aktives Instrument gegen soziale Ungleichheit», sagt Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Gleichzeitig gilt die strikte Regel: Niemand soll mehr als 25 Prozent seines Einkommens für Miete ausgeben müssen.
Auch beim Neubau zeigen sich Unterschiede. In München dauern Genehmigungsverfahren oft Jahre, während Wien schneller plant und baut. Könnte das Wiener Modell die Lösung für Münchens Mietkrise sein? Es bräuchte zumindest ein radikales Umdenken – weg von der Spekulation, hin zum Gemeinwohl. Die Frage ist nur: Haben wir dafür noch den politischen Mut?