In Frankfurt wurden heute Büros einer Sicherheitsfirma, die an mehreren öffentlichen Einrichtungen tätig war, von Steuerfahndern durchsucht. Der Vorwurf wiegt schwer: Durch Scheinrechnungen und gefälschte Arbeitsverträge soll ein Millionenbetrug aufgebaut worden sein. Nach ersten Schätzungen der Staatsanwaltschaft beläuft sich der Schaden für die öffentliche Hand auf mindestens 4,5 Millionen Euro.
Seit den frühen Morgenstunden durchkämmten über 60 Beamte die Geschäftsräume und Privatwohnungen der Verdächtigen. Nach meinen Informationen steht eine Gruppe von sechs Personen im Zentrum der Ermittlungen. Sie sollen systematisch Scheinrechnungen erstellt und Arbeitsstunden erfunden haben, um Steuergelder zu veruntreuen. Besonders pikant: Unter den Auftraggebern befanden sich auch städtische Einrichtungen in Frankfurt.
«Die beschuldigten Firmeninhaber haben ein regelrechtes Netzwerk aus Briefkastenfirmen aufgebaut», erklärte Oberstaatsanwältin Petra Müller. Über Jahre hinweg wurden offenbar Sicherheitsdienstleistungen abgerechnet, die nie erbracht wurden.
Die betroffene Sicherheitsfirma war mir bei einer Recherche vor zwei Jahren schon einmal aufgefallen. Damals hatte ein Whistleblower von unzureichenden Sicherheitsüberprüfungen bei Neueinstellungen berichtet – ein Vorwurf, der jetzt in neuem Licht erscheint.
Was mich besonders nachdenklich stimmt: Die Firma hatte Zugang zu sensiblen Bereichen, unter anderem zu Schulen und einer Kinderklinik. Der Fall zeigt eine bedenkliche Lücke im Vergabeprozess der Stadt. Die Beschuldigten müssen bei Verurteilung mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen. Wie konnte das System so lange unentdeckt bleiben? Diese Frage dürfte die Frankfurter noch lange beschäftigen.