Berlin nimmt ab sofort eine Vorreiterrolle in der deutschen Verkehrswende ein. Die Hauptstadt wurde gestern neben Hamburg vom Bundesverkehrsministerium zur «Modellregion Mobilität der Zukunft» erklärt. Beide Städte sollen in den kommenden drei Jahren neue Verkehrskonzepte testen und umsetzen, die später bundesweit als Vorbild dienen könnten. Das Ministerium stellt dafür insgesamt 40 Millionen Euro bereit.
Auf den Straßen Berlins sieht man bereits heute, wie dringend neue Lösungen gebraucht werden. Staus, überfüllte Busse und Bahnen sowie der Kampf um knappen Parkraum prägen den Alltag. «Wir müssen radikal umdenken, wie wir uns in der Stadt fortbewegen», erklärt Verkehrssenatorin Ute Banning. «Das bedeutet nicht nur technische Innovation, sondern auch ein neues Miteinander im öffentlichen Raum.»
Konkret plant Berlin den Ausbau von Mobilitäts-Hubs in allen Bezirken, wo verschiedene Verkehrsmittel nahtlos verknüpft werden sollen. An diesen Knotenpunkten können Pendler vom Auto auf Leihfahrräder, E-Scooter oder den ÖPNV umsteigen. Zudem sollen autofreie Kieze entstehen und der Lieferverkehr durch Mikro-Depots und Lastenräder effizienter organisiert werden.
Als Reporterin habe ich in den letzten Jahren beobachtet, wie die Akzeptanz für solche Konzepte in der Bevölkerung langsam wächst. Wo früher jede wegfallende Parklücke einen Aufschrei verursachte, sehe ich heute mehr Verständnis für Veränderungen.
Der Verkehrsexperte Prof. Klaus Müller von der TU Berlin warnt jedoch: «Die eigentliche Herausforderung wird sein, alle Bevölkerungsgruppen mitzunehmen. Neue Mobilitätsformen dürfen nicht nur der digitalen Elite vorbehalten bleiben.»
Für die Berliner bedeutet das Projekt unmittelbar spürbare Veränderungen im Stadtbild. Die ersten Maßnahmen sollen bereits im Frühjahr 2024 umgesetzt werden. Der Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, ob die neuen Angebote den Alltag der Menschen tatsächlich verbessern – oder ob am Ende nur schicke Pilotprojekte ohne Breitenwirkung bleiben.