In Stuttgart hat die Polizei einen 60-jährigen Mann am Flughafen verhaftet, der vor fast 30 Jahren eine Frau ermordet haben soll. Der Verdächtige kehrte nach Jahrzehnten aus der Türkei zurück und wurde direkt bei der Einreise festgenommen. Die Beamten hatten einen Hinweis erhalten, dass der lange Gesuchte in seine alte Heimat zurückkehren würde.
Der Fall geht zurück auf den Februar 1995. Damals wurde eine 35-jährige Frau tot in ihrer Wohnung im Stuttgarter Westen gefunden – erdrosselt mit einem Elektrokabel. Schnell geriet ihr damaliger Freund unter Verdacht, doch der Mann war bereits in die Türkei geflüchtet. «Die Ermittlungen liefen damals ins Leere», erklärt Kriminalhauptkommissar Markus Weber. «Aber solche Fälle werden bei uns nie zu den Akten gelegt.»
Während meiner Zeit als Reporterin in Baden-Württemberg habe ich oft erlebt, wie hartnäckig die Stuttgarter Mordkommission auch bei Cold Cases bleibt. Diese Beharrlichkeit zahlt sich manchmal erst nach Jahrzehnten aus.
Der Tatverdächtige sitzt nun in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der Mordvorwurf nach so langer Zeit noch haltbar ist. «Mord verjährt nicht», betont Oberstaatsanwältin Claudia Krauth. «Aber die Beweislage nach drei Jahrzehnten ist natürlich eine besondere Herausforderung.»
Für die Angehörigen der Getöteten bedeutet die Festnahme nach all den Jahren möglicherweise einen späten Schritt zur Gerechtigkeit. Der Fall zeigt eindrücklich: Das Netz der Justiz mag weitmaschig sein, aber es reißt nicht – selbst nach 30 Jahren.